In der Stuttgarter Zeitung hier: 2013_11_30 STZ Initiativkreis Barrierefreiheit in Kernen
und in der Waiblinger Zeitung hier: 2013_11_30 WKZ Initiativkreis Barrierefreiheit – Wie barrierefrei ist Kernen
Eine Aktion der http://infooffensive.de
Freie Presse und freier Zugang zu Informationen sowie die freie Möglichkeit zur Recherche und Berichterstattung sind nicht verhandelbare Grundrechte und wesentliche Bestandteile einer demokratischen Verfassung. Jeden Versuch, diese Rechte zu beschneiden und die Presse daran zu hindern, über Mißstände und Fakten frei zu berichten, betrachten wir als einen Angriff auf Demokratie und Freiheit.
Als solchen Angriff werten wir den Einschüchterungsversuch des S21-Kommunikationsbüros, das die Stuttgarter Zeitung wegen einer Spitzfindigkeit verklagt: Laut Urteil des Landgerichts darf die Zeitung schreiben, dass S21 frühestens 2022 in Betrieb gehen kann – sie darf dagegen nicht mehr behaupten, der Aufsichtsrat sei darüber informiert.
Unser K21 Pressesprecher Ebbe Kögel sprach am Montag dem 11.11.2013 auf der 197. Montagsdemo am Hauptbahnhof in Stuttgart.
Die Rede kann HIER nachgelesen werden!!!
Bilder von http://schaeferweltweit.wordpress.com/
Die Kontext-Wochenzeitung (www.kontextwochenzeitung.de) berichtete letzte Woche über merkwürdige Dinge, die sich gerade in unserer Landeshauptstadt ereignen: „Das Kommunikationsbüro von Stuttgart 21 prozessiert gegen die StZ. Das Blatt soll nicht mehr behaupten dürfen, dass das Milliardenprojekt erst im Jahr 2022 in Betrieb geht. Der Gang vor Gericht markiert eine neue Qualität im Umgang der Bahn mit kritischer Berichterstattung zum Tiefbahnhof. Ist das dankbar? Die StZ gehört zu denjenigen Presseorganen, deren Führungsetage sich unumwunden für den Bau von Stuttgart 21 ausspricht. Das hält die Bauherrin des Milliardenprojekts dennoch nicht davon ab, das Blatt vor den Kadi zu zerren – wegen angeblich falscher Tatsachenbehauptungen in Sachen Tiefbahnhof.“ Ein erster Gerichtstermin letzte Woche wurde verschoben. Gehen wir zurück in die Vergangenheit: So zitierten die StN am 11.3.2002 den damaligen Bahnchef Mehdorn: „Das Milliarden-Projekt S21 steht auf sicherem Gleis. Vermutlich könne im Jahre 2012 wie geplant der Probebetrieb aufgenommen werden“. Seither hat sich das Fertigstellungsdatum ständig nach hinten verschoben. Genauso wie die Kosten immer höher wurden: von 3 Mrd. Euro im Jahre 2002 sind wir inzwischen bei 6,9 Mrd. angelangt. Bei jeder Kostensteigerung wurde behauptet, das sei nun der Endpreis. Und so ist es auch mit der Fertigstellung. Jetzt behauptet die Bahn, 2021 sei der Kellerbahnhof fertig. Wir halten jede Wette, dass es weder bei Kosten von 6,9 Mrd. bleibt, noch dass das Projekt 2021 fertig sein wird. Mal sehen, ob die Bahn uns auch verklagt?
Große Pläne hat die Stadt Fellbach: sie will einen „Bahnhof der Zukunft“ schaffen, z.B. mit der Wiederinbetriebnahme eines Gütergleises und abschließbaren Boxen für Elektrofahrräder (wäre eine tolle Idee auch für den Bahnhof im Rom!). Der K21-Pressesprecher hat dazu einen Leserbrief an die FZ geschrieben: „Es ist schön, dass Fellbach den „Bahnhof der Zukunft“ plant und dafür auch noch Zuschüsse bekommt. Was mir allerdings bei dieser Planung (bisher) fehlt, ist ein wesentlich verbessertes Fahrgastinformationssystem. Dazu gehört vor allem, dass schon in der S-Bahn den Fahrgästen angezeigt wird, welche Buslinie am Bahnhof Fellbach mit welchem Ziel und an welchem Abfahrtsort auf sie wartet. Und umgekehrt: dass in den den Bahnhof anfahrenden Bussen angezeigt wird, welche S-Bahn als nächstes in welche Richtung fährt. Eine wesentliche Verbesserung wäre auch ein Kommunikationssystem zwischen S-Bahn und Busfahrer, dass, wenn die S-Bahn ein paar Minuten Verspätung hat, der Bus auf die verspätete Bahn wartet. Und zu einem BenutzerInnen-freundlichen Bahnhof gehört sicherlich nicht, dass der Fußweg zwischen der geplanten Endhaltestelle von Bus 212 bis zum Bahnsteig über 100 Meter beträgt. Das oben gesagte gilt natürlich auch für die Endhaltestelle der U1 an der Lutherkirche. Auch hier sollte schon in der Stadtbahn angezeigt werden, welcher Bus als nächster fährt. Als unmittelbare Verbesserung könnten die Schlienz-Busse 211 und 212 schon in die Anzeige aufgenommen werden, die an der Bushaltestelle Lutherkirche angebracht ist. Bisher zeigt die nur die SSB-Busse an. Natürlich geht dies alles nur in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn (das wird schwierig) und den Busunternehmern. Aber es wäre eine wesentliche Verbesserung für die Fahrgäste, sowohl für GelegenheitsfahrerInnen wie auch für BerufspendlerInnen.
Am vergangenen Samstag fand unter dem Motto „Der Protest geht weiter“ eine Großdemo der Widerstandsbewegung gegen Stuttgart 21 statt, mit mehreren Tausend TeilnehmerInnen, darunter auch viele Aktive aus Kernen. Einer der Redner war Joe Bauer, bekannt als Kolumnist bei den Stuttgarter Nachrichten. Er sagte u.a.: „Willkommen auf dem Schlossplatz, auf der parlamentarischen Stehtribüne der Stuttgarter Opposition. In der jüngeren Vergangenheit ist immer wieder die Frage aufgetaucht: Wozu noch Demos und Kundgebungen, wo doch der ganze Protest trotz seiner guten Argumente S 21 nicht stoppen konnte? Was wäre das für eine hasenfüßige Haltung. Wir können uns nicht hinstellen und sagen: Die Maschinerie der Macht und ihre Profiteure sind auf der Siegerstraße, sie liegen zwei zu null in Führung, deshalb geben wir den Kampf jetzt auf. Im Moment ist unsere Straße vielleicht nicht unbedingt die Straße der Sieger, aber wir sagen: In einem Drama des Betrugs gibt es Wendungen, und wir machen die Erfahrung: Die Straße lebt! Der Protest geht weiter! Wir dürfen unsere eigene Geschichte nicht vergessen: Seit 4 Jahren gehen die Menschen in Stuttgart gegen ein größenwahnsinniges Bahn- und Immobilienprojekt auf die Straße, und in dieser Zeit hat sich unser Blick nicht nur auf den inzwischen zerstörten Bahnhof gerichtet. Im Kampf gegen S 21 haben viele Leute in der Stadt ein neues Bewusstsein entwickelt, sie haben Sensoren bekommen für die verlogene Politik der konventionellen Parteien – und viele haben begriffen: Wir haben ein Recht auf unsere Stadt. Auf der Straße haben wir die Luft zum Atmen. Hier fliegen Gedanken. Wir treffen auf Menschen, um uns auszutauschen. Menschen, mit denen wir etwas auf die Beine stellen. Und wir haben Spaß bei unseren Aktionen unter freiem Himmel!“ Diesen Aussagen von Joe Bauer können wir uns nur anschließen.
Am 23.9. fand in Stuttgart ein Gespräch zwischen VertreterInnen der „Initiative barrierefreier Öffentlicher Personennahverkehr“ (wo auch K21 Kernen mitarbeitet) und Herrn Hantel von der Deutschen Bahn statt. Dieser ist Leiter des Bereichs Personenbahnhöfe und verantwortlich für 700 Bahnhöfe in Baden-Württemberg, darunter auch die S-Bahn Stationen Rom und Stetten-Beinstein. Bei diesem Treffen wurde u.a. angesprochen, wie es denn nun auf der Remsbahn weitergeht mit dem barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe. Bekanntlich soll bei uns 2019 eine Interkommunale Gartenschau aller Gemeinden an der Rems stattfinden und in Vorbereitung dieses Großereignisses sollen alle 20 Remstal-Stationen zu „Wohlfühlbahnhöfen“ ausgebaut werden. Dafür gibt es ein Papier der DB Netze „Übersicht der Stationen“, in dem die Maßnahmen aufgelistet werden. So sollen für Stetten und Rom Blindenleitstreifen angebracht werden, für Stetten-Beinstein ist ein Aufzug vorgesehen, der 2016 fertig sein soll. Und das wars. Keine Hoffnung machen konnte Herr Hantel, was die Einstiegssituation anbetrifft (Höhenunterschied und zu großer Spalt zwischen Bahnsteig und Zug). Da auf der Remsstrecke nach wie vor Güterzüge fahren (die sind breiter wie die S-Bahnen), kann die Einstiegshöhe von derzeit 76 Zentimeter nicht auf die notwendigen 96 Zentimeter erhöht werden. Auch die Einführung der neuen S-Bahn E 430 bringt keine Verbesserung. Die hat zwar eine ausfahrbare Spaltüberbrückung. Die funktioniert aber nicht richtig und kann zwar einen Spalt, aber keine Höhenunterschiede überbrücken. Wollen wir uns damit zufriedengeben?
Myanmar, das frühere Birma, eines der ärmsten Länder der Welt, früher eine Militärdiktatur, die sich nun langsam dem Demokratisierungsprozess öffnet, war im September Ziel einer Reise der Welthungerhilfe, bei der ein Reporter der Schwäbischen Zeitung dabei war. Er schreibt am 28.9. darüber: „Damit hat in der bergigen Gegend mitten in Myanmar nun wirklich niemand gerechnet. ‘Wie halten Sie es denn mit Stuttgart 21?‘, will Adi Christina Win wissen. Wir stehen am National Highway 3 außerhalb von Lashio im nördlichen Shan Staat, die Grenze zu China ist nicht weit. Und in einer solchen Region fragt Adi Christina Win, wie wir es denn mit der württembergischen Verkehrspolitik halten. Die junge Frau aus Myanamars Metropole Rangun begleitet uns als Dolmetscherin und Fotografin und ihr gelingt die Überraschung. Wir stammeln, denn gerade eben haben wir noch mit Bauern gesprochen, die wie ihre Urgroßeltern die kargen Böden beackern. Die Fragestellerin bemerkt die Verblüffung und schiebt nach: ‚Ich gar nichts. Ein reines Prestigeobjekt und was für eine schlechte Planung …. Kommunikationsmängel, wohin man schaut‘, meint sie abschließend“. Fazit: Das Planungschaos der Deutschen Bahn hat es zu weltweiter Bekanntheit gebracht.
150 Jahre alt wurde die SPD in diesem Jahr und schreibt auf ihrer Webseite www.spd.de zum Jubiläum: „Seit 150 Jahren kämpft die SPD erfolgreich für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit.“ Seit 2½ Jahren gibt es im Ländle einen SPD-Innenminister, der den S21-Widerstand, also auch uns Aktive in Kernen, von seiner Polizei und seinem Verfassungsschutz wie Staatsfeinde bespitzeln lässt. Grundlage dieser Überwachung ist der sog. „Rahmenbefehl“, der einst unter CDU-Innenminister Rech im Juli 2010 eingeführt wurde. Im Dezember 2011 wurde er von Rot-Grün unter Innenminister Gall fortgeschrieben. Da heißt es: „Die Landespolizeidirektionen betreiben offene sowie verdeckte Aufklärung … um ein Gesamtgefährdungslagebild zum Bauprojekt S21 zu erstellen“.Was heißt das konkret? Nun, das geht von der systematischen Medienauswertung (z.B. Erfassen unserer Leserbriefe) über das ständige (und rechtswidrige) Filmen unserer Demos bis zur Überwachung einzelner Personen, ihres Schriftverkehrs und ihrer Telefonate. Und nicht zuletzt zum Einsatz verdeckter Ermittler bei Demos und bei unseren Treffen. Also Herr Gall, vielleicht haben wir im Politikunterricht nicht richtig aufgepasst und verstehen deshalb unter Freiheit und Demokratie was anderes? Oder Sie sollten sich mal mit der Geschichte ihrer Partei beschäftigen? Oder Sie sehen sich gar in einer würdigen Tradition?
Unsere Forderung an Rot-Grün lautet: Der Rahmenbefehl muss aufgehoben werden!
Am Montag, 11. November 2013 findet um 18 Uhr vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof die 197. Montagsdemo der Widerstandsbewegung gegen den Tunnelbahnhof Stuttgart 21 statt. Sie steht zum Beginn der närrischen Zeit unter dem Motto „Keine Narrenfreiheit für die Bahn“.RednerInnen sind Nina Picasso, eine der Angeklagten im Prozess gegen die BesetzerInnen des Südflügels-Dach am Hauptbahnhof, Joris Schoeller, Vertrauensperson des Bürgerbegehrens „Leistungsrückbau S21“ sowie Ebbe Kögel, Pressesprecher von K21 Kernen – Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs und aktiv bei den AnStiftern Stuttgart. Er wird in seinem Beitrag (natürlich in Schwäbisch!) unter dem Obertitel „Luagabeidl“ insbesondere darauf eingehen, wie die Deutsche Bahn nach wie vor die Öffentlichkeit über die wahren Kosten und die technischen Probleme des Projektes täuscht und wie die BefürworterInnen Phalanx aus CDUSPDFDPGRÜNIHK wie Lemminge dem neuen Gott „Fortschritt“ hinterherhecheln, unter kompletter Ausschaltung von gesundem Menschenverstand und von kaufmännischer Vernunft der vielzitierten Schwäbischen Hausfrau.Die Musik zur Kundgebung steuert die Gruppe DIE ELF bei, im Anschluss daran gibt es einen Demozug zum Marktplatz.Für alle, die nicht zur Kundgebung kommen können, kann der Beitrag nachträglich auf www.fluegel.tv angeguckt werden.
Am Donnerstag, 14.11. ab 15.30 Uhr ist K21 Kernen mit einer Flugblattaktion und einem „Klischee-Test“ am Eingang des Martinimarktes in Stetten vertreten.
Am vergangenen Montag verteilte der Rems-Murr Widerstand gegen S21 einen Sonderdruck der Eisenbahn Revue 6/2013 zum S-Bahn Chaos in der Region Stuttgart an verschiedenen Bahnhöfen. Wir waren von 6 bis 7.30 Uhr in Stetten-Beinstein aktiv. Hier unsere Erfahrungen: 1 Fahrkartenautomat funktionierte nicht, die Unterführung war total versifft. Immerhin waren die Bahnsteige frisch gekehrt und die Papierkörbe geleert. Die wartenden Fahrgäste waren sehr aufgeschlossen und wir hatten gute Diskussionen. Da mehrere Bahnen bis zu 10 Min. verspätet waren, gab es genug Zeit zum Reden: die Wut und Enttäuschung der Menschen (zum größten Teil tägliche NutzerInnen) über das S-Bahn Chaos ist groß. Viele nehmen inzwischen eine Bahn früher. Recht heftig wurde die mangelnde Informationspolitik der Bahn kritisiert, andererseits aber geduldig ertragen. Was können wir tun? Wir sollten Druck ausüben auf den Verband Region Stuttgart, in dessen Auftrag die Bahn das S-Bahn-Netz betreibt: wenn sich nicht grundlegend was verändert, wird einfach die nächste Rate nicht bezahlt. Diese Sprache müssten die Bahnmanager verstehen. Es kann doch nicht sein, dass die DB mit diesem Chaos auf unserem Rücken weitermacht. Und mit dem Fortschreiten der Bauarbeiten für S21 wird es noch schlimmer werden.
Ein ausführlicher Bericht hiervon kann auch über Twitter gelesen werden
Das aus dem Griechischen stammende Wort Hybris bezeichnet die Selbstüberhebung von Menschen, die in ihrer Überheblichkeit Befehle und Gesetze der Götter missachten. Dies führt unweigerlich zu ihrem Fall und Tod. In einem Interview mit dem Kolumnisten der Stuttgarter Nachrichten, Joe Bauer, spricht der in Endersbach aufgewachsene Kabarettist Mathias Richling über die neuen Informationsmöglichkeiten des Internets und über die Hybris der Mächtigen im Zusammenhang mit Stuttgart21: „S21 ist ein Paradebeispiel dafür [wie das Internet das gesellschaftliche Bewusstsein gegenüber der Politik verändert hat]. Auslöser hätte auch etwas anderes sein können, eine ähnliche Sache, bei der die Leute merken: Hier werden Unsummen von Steuergeld verschleudert. Da mache ich nicht mehr mit. Die Menschen konnten innerhalb kürzester Zeit andere aktivieren und mobilisieren. Das Internet hat insofern das politische Bewusstsein belebt, als die Leute gemerkt haben: Wir können etwas tun … Ich finde es unglaublich, was da passiert. Ununterbrochen werden neue Pannen des Projekts aufgedeckt. Egal, ob Kostensteigerung, fehlender Brandschutz, gefährliche Bahnsteige. Die Leute, die das Projekt betreiben, machen ungerührt weiter, der gesunde Menschenverstand spielt überhaupt keine Rolle mehr. Wozu braucht eine Stadt wie Stuttgart ein Bahnhofsprojekt, das zehnmal so teuer ist wie der neue Berliner Bahnhof? Ein Projekt, für das man 60 Kilometer Tunnel graben muss, ein Eingriff, der die ganze Stadt verändert. Das zeugt von einer unfassbaren Hybris der Verantwortlichen“.
Das ausführliche Interview finden Sie hier im Internet
Bericht über Wahlkampfveranstaltung mit Joachim Pfeiffer (CDU) in der Linde in Stetten
Mittwoch, 28. August 2013
Das Format funktioniert so, dass die Linsen und Spätzla von der CDU bezahlt werden (Spenden sind erwünscht, so Pfeiffer in der Einleitung), die Getränke müssen selbst bezahlt werden.
Als ich um 12 Uhr ankomme, ist der Saal schon gerammelt voll, ca. 120 Leute, meistens ältere, gesetzte Herrschaften und ein paar Wahlkampfhelfer von der Jungen Union. Alle werden von Dr. Kohl, dem Ortsvereinsvorsitzenden der CDU und später von Pfeiffer mit Handschlag begrüßt.
Dann hält Pfeiffer einen anderthalbstündigen Power-Point Vortrag mit sage und schreibe 50 Folien zur Wirtschaftsentwicklung, Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen usw., sozusagen die Erfolgsbilanz der jetzigen Regierung. Die Folien sind aber so klein auf der Leinwand, dass überhaupt nichts zu erkennen ist. Für die hinteren Reihen gibt es allerdings Fotokopien der Folien, so dass es nachvollziehbar wäre, wenn mensch denn mit dem Redetempo von Pfeiffer beim Lesen mithalten könnte.
Während der Rede wird dann das Essen serviert.
Kurz vor halb zwei Uhr wird er dann schließlich von einem 81 Jahre alten Mann aus Grunbach unterbrochen, der ehrenamtlich im Pflegeheim schafft. Er steht einfach auf und fängt an zu reden bzw. halb zu schreien, weil anders kann mensch sich so weit hinten nicht bemerkbar machen.
Er erzählt, dass er ehrenamtlich im Pflegeheim arbeitet und dass die Situation dort immer schlimmer wird, weil sie zu wenig Personal haben und die Leute nicht ausreichend bezahlt werden. (Pfeiffer hatte sich in seiner Rede ausdrücklich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn ausgesprochen). Außerdem erzählt der Mann von einer Bekannten, die in einer Maschinenbaufirma geschafft hat. Dort wurde sie entlassen und kam kurz darauf über eine Zeitarbeitsfirma an denselben Arbeitsplatz zurück, für die Hälfte des Lohnes, den sie früher hatte. Das könne doch nicht sein.
Während vorne schon die ersten „Aufhören“-Rufe von irgendwelchen Idioten kommen, reagiert Pfeiffer sehr routiniert auf den Einwurf und bietet dem Mann auch ein Gespräch bzw. einen Besuch in seinem Pflegeheim an bzw. dass er sich um den Fall mit der Frau kümmert, wenn er ihm weitere Details liefert.
Ich nehme den Faden dann auf und zitiere aus einer Untersuchung von VERDI, dass im Rems-Murr-Kreis fast 41.000 Beschäftigte unter 8,50 Euro verdienen. Das reicht nicht zum Leben und um eine Familie zu ernähren. Viele von denen erhalten Hartz IV Aufstockung, weil der Lohn nicht reicht. (Pfeiffer hatte davor in seiner Rede dieses Modell unter dem Stichwort „Kombilohn“ als vorbildhaft dargestellt.) Ich werfe ihm vor, dass er damit ein sozialistisches Modell propagiere: den Unternehmen bleiben die Gewinne durch die niederen Löhne, die gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung (keine ausreichenden Zahlungen in die Sozialsysteme – der Aufstockungsbetrag ist nämlich nicht sozialversicherungspflichtig. Hinzu kommt die zu erwartende Altersarmut dieser „Kombilohn-Beschäftigten) werden sozialisiert.
Des weiteren weise ich darauf hin, dass die Lohn-Spirale immer weiter nach unten geht und empfehle ihm, doch mal auf die Baustelle vom Bürgerhaus in Rommelshausen zu gehen, wo polnische, litauische und russische Arbeiter von Sub-Sub-Unternehmen für 3 bis 4 Euro in der Stunde arbeiten müssen. (Zwischenruf von vorne, vermutlich von einem CDU-Gemeinderat: „Stimmt nicht“.) Und als letzten Punkt: wenn immer mehr junge Leute nur noch Werk- und Zeitverträge kriegen, können die keine Zukunftsplanung machen und keine Familie gründen.
Auf den Punkt Löhne auf dem Bau geht er gar nicht ein. Er betont noch mal, dass er ganz und gar gegen den Mindestlohn ist. Und bei der Zeitarbeit sei es so, dass von 42 Millionen Beschäftigten nur 1 Million Zeitarbeiter seien (da hat er auch wieder eine Statistik parat) und dass 40% der Zeitarbeiter nach 1 Jahr einen festen Job bekämen. Und die Zahl der Zeitarbeiter würde auch nicht zunehmen.
Und er hätte damals als Berufsanfänger auch zuerst einen befristeten Vertrag gehabt und der sei nach 1 Jahr in einen unbefristeten umgewandelt worden.
Und was den Vorwurf des „Sozialismus“ beträfe, der ginge ganz daneben, weil er habe den Kommunismus seit seiner Jugend immer bekämpft, zu Wasser, zu Lande und in der Luft.
Dann fährt er fort mit seinen Folien und ich gehe, weil ich das Freibad aufmachen muss.
Die anderen von mir vorbereiteten Themenbereiche (Atomkraft, Stuttgart21) kommen dann nicht mehr zur Sprache.
Fazit: Es ist sehr problematisch, inhaltlich kontroverse Geschichten bei einer derartigen Veranstaltung zu diskutieren. Von daher ist es schon die Frage, ob es etwas bringt, da überhaupt hinzugehen. Oder halt mit einer Aktion, an der mehrere Leute beteiligt sind. Na ja, schwierig.
Im Mai veröffentlichte die WKZ eine Serie über die Geschichte und Zukunft unserer S-Bahn, u.a. auch über ein Gespräch mit Bahnexperten aus dem S21-Widerstand. Zur Vorbereitung des Treffens hatten wir ein Positionspapier erarbeitet, aus dem wir heute den 7. und letzten Auszug veröffentlichen:
Barrierefreiheit von Bahnhöfen und Zügen
Die Situation für Menschen mit Behinderungen beim Zugang zu den Bahnhöfen und beim Ein- und Ausstieg in die S-Bahnen ist katastrophal (Über die Situation an den S-Bahn-Halten Rom und Stetten-Beinstein haben wir ja schon mehrmals berichtet). Dies gilt nicht nur für RollstuhlfahrerInnen oder Blinde, sondern ebenso für Menschen mit Rollator, Kinderwagen, Gepäck, Fahrräder. Doch Barrierefreiheit bedeutet noch mehr: das sind auch komfortable und saubere Züge, verständliche Durchsagen, elektronische Anzeigen auf dem Gleis und im Zug und ein einfaches und verständliches Tarifsystem samt der dazugehörigen Automaten.
Taktung mit Busverkehr
Um mehr Menschen vom Pkw zum ÖPNV zu bringen, bräuchten wir im Grunde genommen ein System, bei dem die S-Bahn einfährt und der Bus abfahrtsbereit direkt vor dem Bahnhof wartet. (So wie am S-Bahnhof Endersbach für die Busverbindung nach Strümpfelbach – leider nur in den Hauptverkehrszeiten). Und eine Kommunikation zwischen S-Bahn und Omnibus bei Verspätungen und Unfällen. Davon sind wir leider noch weit entfernt.
„Erfolge, Erfolge, Erfolge“ meldet Rainer Brüderle von der FDP bei einer Wahlkampfveranstaltung für den Mittelstand in Grunbach. In der Tat sind die Erfolge schwarz-gelber Regierungspolitik enorm – alle Landes- und Bundesämter für Statistik melden es gebetsmühlenartig jedes Jahr aufs Neue: die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer, in einem gewaltigen Umverteilungsprozess von unten nach oben. Dass er dafür Beifall von den von ihm als vorbildlich gepriesenen Mittelständlern bekommt, spricht nicht unbedingt für die Anwesenden. Wo bleibt denn deren sozialen Verantwortung für den ärmeren Teil der Bevölkerung, der durch Niedriglöhne und 400-Euro-Jobs in die (Alters-)Armut getrieben wird? Und dass er nun auf Bahnchef Grube einhaut wegen dessen Missmanagement im Mainzer Bahnhof (und übrigens auch bei Stuttgart 21, das Brüderle ja vehement befürwortet) kann nur als Schaumschlägerei bezeichnet werden. War doch die FDP mitverantwortlich für die Privatisierung der Bundesbahn, die Entlassung Zehntausender MitarbeiterInnen (die jetzt fehlen) und die Einsetzung gewissenloser und unfähiger Auto- und Flugzeugmanager bei der Deutschen Bahn, alles ursächlich für die gegenwärtige Misere. Übrigens: im Aufsichtsrat der DB sitzen auch zwei FDPler: der von Brüderle ins Wirtschaftsministerium geholte Bernhard Heitzer sowie FDP-Generalsekretär Patrik Döring. Sind das dieselben Schnarchzapfen wie die von Brüderle als „Lachsbrötchenesser“ verunglimpften Aufsichtsratsvertreter der Gewerkschaften? Wie gesagt – er mag Beifall bekommen haben in Grunbach – ich find es zum Kotzen, diesen Klassenkampf von oben.
Ringbahn um Stuttgart
Wie bereits dargestellt, fährt unser S-Bahn System an seiner Kapazitätsgrenze. Das hat viel mit dem Nadelöhr Hauptbahnhof Tief zu tun, wo alle 6 Linien durch einen Tunnel durch müssen. Was wäre die Lösung? Weitere Tunnel bauen? Wie wir alle wissen, wäre das zu teuer und zu riskant. Aber – viele Metropolregionen dieser Welt haben eine Ringbahn, um das Nadelöhr Zentralbahnhof zu umfahren. Warum also keine Ringbahn um Stuttgart? Z.B. für den östlichen Teil eine Bahn Ludwigsburg-Waiblingen-Esslingen-Flughafen? Eine mögliche Stadtbahnverbindung von Ludwigsburg nach Waiblingen wurde ja schon verschiedentlich untersucht. Als Zwischenlösung wäre durchaus denkbar, die sehr erfolgreiche Schnellbuslinie LB-WN über Esslingen zum Flughafen fortzuführen. Relativ schnell zu verwirklichen wäre auch ein Halbringschluss (Tangentiallinie) in Fortsetzung der Gäubahn über den Flughafen nach ES. Und von dort weiter mit dem Schnellbus nach WN und LB. Eine weitere Möglichkeit wäre der Ausbau der sog. „Schusterbahn“ von Kornwestheim nach Cannstatt bzw. Plochingen, von dem auch der Rems-Murr-Kreis profitieren könnte. Eine Ringbahn wäre sicher ein utopisches Projekt, das vielleicht 25 Jahre bis zu seiner Verwirklichung bräuchte. Aber wenn es nicht Menschen gegeben hätte, die vor 35 Jahren eine „utopische“ S-Bahn gedacht hätten, dann hätten wir heute keine!
Die Gegner von S21 haben jahrelang vorausgesagt „Es wird teurer!“ – sie wurden ausgelacht, als irre und paranoid hingestellt. HEUTE ist es teurer – und es kommt der Satz, „Wer glaubt, man könne so ein Projekt ohne Verteuerungen bauen, ist naiv“.
Die Gegner von S21 haben jahrelang vorausgesagt „Es wird später!“ – sie wurden ausgelacht, als irre und paranoid hingestellt. HEUTE gibt auch die DB Verspätungen zu – und es kommt der Satz, „Da sind nur die Gegner und die Grünen dran schuld“. Die Gegner wegen Sachen wie Schlichtung und Co – Sachen die vor zwei bis drei Jahren stattgefunden haben (also hätte man wohl doch schon vor zwei Jahren sagen können, es wird später, wenns WIRKLICH daran gelegen hätte?) – die Grünen wegen… Weiß keiner so genau, aber schuld sind sie auf jeden Fall. Dass die DB jedes mal ihre Unterlagen nicht rechtzeitig vorlegt, dass sie für wichtige Maßnahmen noch keine Genehmigung (GWM), keine eingereichten Pläne (Düker) oder überhaupt keine Idee (Leitungen) hat – wurscht.
Die Gegner von S21 haben jahrelang vorausgesagt „Es wird währed des Baus massive Probleme bei der S-Bahn geben!“ – sie wurden ausgelacht, als irre und paranoid hingestellt. HEUTE gibt es die Probleme jeden Tag – und es kommt der Satz, „Da muss man Verständnis haben, so ein Umbau macht natürlich bissl Sand im Getriebe“.
Alles wird schlussendlich damit gerechtfertigt, dass das bei K21 auch so wäre. Jungs, darum geht es nicht. Sondern darum, dass jahrelang bei drei wesentlichen Punkten immer was andres versprochen wurde, aufgrund dieser Versprechen sogar eine VA statgefunden hat – und die Gegner heute dafür ausgelacht werden, dass sie drauf wert legen, dass diese Versprechen bitte auch eingehalten werden. Und wehe, man sagt „Lügenpack“.
S21 wird derzeit irgendwie sowas ähnliches wie ein bisschen gebaut – sich darüber aufregen, ist müßig.
Aber über die Ignoranz, Blödheit und Bösartigkeit von manchen Genossen, darüber sollte man sich aufregen.
Jeden Tag.