buy-in-Strategie

Kennen Sie die „buy-in-Strategie“?

Wieder so ein „neimodisch Zuigs“, jetzt sogar schon in den Beiträgen von
Kernen21? Keine Angst, wir erklären es. „buy-in“ kommt aus dem
Englischen und bedeutet so viel wie „sich einkaufen“.
Mit der „buy-in-Strategie“ wird in der Politikwissenschaft ein Vorgehen
bezeichnet, bei dem der Einkauf in ein Projekt – bzw. die Entscheidung
für ein Projekt – durch zu niedrig angesetzte Kosten- und
Terminschätzungen erreicht wird.
Der Tiefbahnhof Stuttgart21 ist dafür ein typisches Beispiel. Die
Entscheidungen in den zuständigen Gremien wie Stuttgarter Gemeinderat,
Regionalversammlung oder Landtag von Baden-Württemberg wurden dadurch
erreicht, dass viel zu niedrige Kosten angesetzt wurden. Auch die
Zustimmung der Kreistage aus dem Umland, die das Projekt mitfinanzieren,
wurde so erreicht: von ursprünglich zugesagten 2,5 Mrd. € stiegen diese
2011 auf 4,5 Mrd. Inzwischen sind 8,5 Mrd. zugegeben. Am Ende werden es
wohl 12 Mrd. sein. Und ursprünglich sollten die Züge im Jahre 2020
rollen, inzwischen soll es 2025 werden.
Bei der Verwirklichung des Projektes stellen sich nun immer mehr Mängel
heraus. Insbesondere der mit S21 versprochene Deutschlandtakt wird nicht
fahrbar sein. Deshalb kommen nun zahlreiche „Verbesserungs“-Vorschläge,
u.a. der sog. „Bilger-Tunnel“ am Flughafen. Sie sehen weitere 47 km
Tunnel vor (zu den bereits jetzt betonierten 60 km), die weitere
Milliarden kosten sollen. Ein Fass ohne Boden, letztendlich mit unser
aller Steuergeld bezahlt.
Der ehemalige STERN-Journalisten Arno Luik, der am 27.9.2019 im
Museumskeller zu Gast war, beschreibt in der Neuauflage seines damals
vorgestellten Buches „Schaden in der Oberleitung“ diese
„buy-in-Strategie“ und andere Skandale bei S21. Erhältlich im
Buchhandel. Sobald es Corona zulässt, wollen wir Arno Luik wieder nach
Stetten einladen.

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Frühling es geht wieder los

Kaum hatte Anfang Februar die warme Frühlingssonne die letzten Reste des Winters beseitigt, ging es wieder los in der Esslinger Straße. Fast im Minutentakt röhrten schwere Motorräder, Motocross-Maschinen und aufgemotzte Autos Richtung Schwurwald rauf und runter. Die relative Winter-Ruhe war mit einem Schlag vorbei.
Dementsprechend häufen sich die Klagen lärmgeplagter AnwohnerInnen. Die WKZ berichtete am 26.2. gar auf einer ganzen Seite. Beschrieben wurde darin das technische Problem – viele Hersteller leben in Werbung und Verkauf von diesem sogenannten „satten Sound“, den Motorräder heutzutage (bewusst) erzeugen. Und der ja auch von vielen (vorwiegend) männlichen Käufern gesucht und geschätzt wird. Der Ruf nach strengeren gesetzgeberischen Vorschriften für die Hersteller verhallt in den Weiten der Europäischen Union.
Der andere im Artikel beschriebene Ansatz sind vermehrte Kontrollen und der Appell an die Vernunft der MotorradfahrerInnen. Natürlich gibt es diese Vernünftigen, aber die bestimmen nicht das Bild in der Öffentlichkeit.

Wir haben ja schon des öfteren über diese Lärmproblematik geschrieben und dazu viele Zuschriften aus der Bevölkerung erhalten.
Wir haben uns auch Gedanken über Lösungsmöglichkeiten gemacht. Wenn Sie sich detaillierter darüber informiert wollen, verweisen wir Sie auf unsere Webseite www.kernen21.de.
Gerne dürfen Sie uns auch schreiben: juergenhoran@web.de

Radschnellweg durch Kernen: Besichtigungsfahrt

Gegenwärtig laufen die Planungen für einen Radschnellweg Schorndorf-Stuttgart, der auch über Kernener Markung geführt werden soll. Sobald es das Wetter zulässt, wollen wir die beiden Alternativrouten mal mit dem Fahrrad abfahren. Haben Sie Interesse? Dann schreiben Sie bitte an unsere Kontaktadresse (s.o.), wir melden uns, sobald wir einen Terminvorschlag haben.

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Zu Veröffentlichungen im wöchentlichen Mitteilungsblatt der Gemeinde Kernen im Remstal

Vorbemerkung:

Der untenstehende Beitrag von Kernen21 für das Mitteilungsblatt 09-2021 der Gemeinde Kernen wurde vom Bürgermeister komplett zensiert!

In einer Mail vom 1.1.2021 an den Pressesprecher von Kernen21 führt Kernens Bürgermeister Paulowitsch dazu aus:
„Ihr Beitrag K21 im Mitteilungsblatt entspricht nicht dem Statut. Die Vereine können über ihr Veröffentlichungsrecht keine politischen Forderungen an die Gemeinde richten oder Fragen stellen. Dies machen Sie mit dem eingereichten Beitrag jedoch, indem Sie aktiv Politik betreiben und Forderungen erheben. Über Beiträge kann kein Meinungsstreit ausgerichtet werden. Auch haben Sie schon mehrfach die inhaltliche Korrektur zu Ihren Forderungen erhalten (z.B. dass Betonschwellen im Rems-Murr-Kreis generell untersagt sind). Auch Fragen sind nicht zulässig (…)
Wenn Sie nun wieder behaupten wollen, dass dies Zensur sei verweise ich nochmals darauf, dass das Mitteilungsblatt kein Medium der freien Presse ist. Es ist ein Informationsmedium, das seine Hauptfunktion in der amtlichen Mitteilung hat und zusätzlich Vereinen für eigene Informationsangebote zur Verfügung steht. Es ist kein Debattenmagazin.“

Unsere Stellungnahme dazu:
Im Statut des Mitteilungsblattes steht geschrieben, dass Beiträge ausgeschlossen sind, die „gegen gesetzliche Vorschriften, die guten Sitten oder die Interessen der Gemeinde verstoßen“. Es steht nicht geschrieben, dass keine Fragen gestellt werden dürfen. Und dass Betonschwellen im Rems-Murr-Kreis bisher nicht gebaut werden, muss doch nicht heißen, dass diese Forderung für den Einbau von Betonschwellen nicht erhoben werden darf. Schließlich ist ja im zensierten Artikel selbst ausgeführt, dass es in Sindelfingen auf dem Weg zum Krankenhaus Betonschwellen auf der Fahrbahn gibt. Und dies in den meisten unserer europäischen Nachbarländer ebenfalls üblich ist. Wieso soll also dieser Vorschlag nicht gemacht werden dürfen? Vorschriften können sich schließlich ändern.
Das beste Beispiel dafür ist die Druckknopfampfel, die dieses Jahr noch (auf freier Strecke!) an der Landesstraße L 1201 (Strümpfelbach-Endersbach) eingerichtet wird. Damit Schulkinder auf dem Fahrrad die Straße sicher überqueren können. Auch da hieß es zuerst, auf freier Strecke könnten keine Druckknopfampeln eingerichtet werden.

Und beim Motorradlärm in der Eßlinger Straße handelt es sich um ein wichtiges kommunalpolitisches Problem, von dem Hunderte von AnwohnerInnen der Strecke und viele andere EinwohnerInnen betroffen sind, deren Häuser sich auf der Höhe der Eßlinger Straße befinden.

Was meinen Sie? Schreiben Sie uns an: juergenhoran@web.de
Ihr Kernen 21

Kernen21 für Mitteilungsblatt der Gemeinde Kernen Nr. 09-2021 vom 3.3.2021

Frühling! Es geht wieder los
Kaum hatte Anfang Februar die warme Frühlingssonne die letzten Reste des Winters beseitigt, ging es wieder los in der Esslinger Straße. Fast im Minutentakt röhrten schwere Motorräder, Motocross-Maschinen und aufgemotzte Autos Richtung Schwurwald rauf und runter. Die relative Winter-Ruhe war mit einem Schlag vorbei.
Dementsprechend häufen sich die Klagen lärmgeplagter AnwohnerInnen. Die WKZ berichtete am 26.2. gar auf einer ganzen Seite. Beschrieben wurde darin das technische Problem – viele Hersteller leben in Werbung und Verkauf von diesem sogenannten „satten Sound“, den Motorräder heutzutage (bewusst) erzeugen. Und der ja auch von vielen (vorwiegend) männlichen Käufern gesucht und geschätzt wird. Der Ruf nach strengeren gesetzgeberischen Vorschriften für die Hersteller verhallt in den Weiten der Europäischen Union.
Der andere Ansatz ist der Appell an die Vernunft der MotorradfahrerInnen. Natürlich gibt es diese Vernünftigen, aber die bestimmen nicht das Bild in der Öffentlichkeit. Und vermehrte Kontrollen? Ein zu lauter und zu schneller Motorradfahrer kann ja nicht mal richtig geblitzt werden.
Also doch die Tiroler Lösung mit der Sperrung von bestimmten Strecken für überlaute Motorräder? Im Stettener Fall hülfe die Verlegung des Ortsschildes bis zur Einfahrt zum Neuen Friedhof. Vielleicht auch Betonschwellen auf der Fahrbahn, um so die Geschwindigkeit auf den ersten paar Hundert Metern nach dem Ortsende so zu verlangsamen, dass der Lärm weiter nach draußen verlagert wird. Diese Betonschwellen gibt es tatsächlich schon – z.B. auf der Straße zum Krankenhaus in Sindelfingen. Und in vielen anderen europäischen Ländern. Auf der B14 zwischen Sulzbach und Großerlach gibt es blaue Querstreifen auf der Fahrbahn, die zum langsameren Fahren auffordern.
Was meinen Sie? Schreiben Sie uns: juergenhoran@web.de

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10 Jahre Kernen21 (6)

Vor 10 Jahren wurde unser „Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“, kurz Kernen21, gegründet. Heute Teil 6 unseres Rückblicks.
Zum ÖPNV gehört neben der S-Bahn auch der Busverkehr. Hier hat sich in den letzten Jahren – auch durch unsere Mithilfe – einiges getan. So können wir mit Fug und Recht behaupten, dass Kernen inzwischen zu den Gemeinden in Baden-Württemberg mit dem bestausgebauten Busverkehrsystem gehört.
Zu nennen wäre hier insbesondere die Einführung der vom Verband Region Stuttgart finanzierten Expressbuslinie X20 von Waiblingen nach Esslingen. Hier haben wir viel Lobbyarbeit im Hintergrund geleistet. Diese Schnellbusverbindung zwischen Rems- und Neckartal war ursprünglich nämlich gar nicht für eine der 3 Linien vorgesehen, die vor 5 Jahren versuchsweise eingeführt wurden. Unser Foto zeigt die von K21 organisierte Jungfernfahrt im Dezember 2016.
Der X20 war ein Erfolg, mit ständig steigenden Fahrgastzahlen. Bis Corona alles zunichte machte, mit ungewisser Zukunft.
Viele Jahre setzten wir uns für eine Schulbusverbindung von Stetten nach Endersbach (und weiterführend zur Waldorfschule Engelberg) ein, bis es 2019, dank der Fa. Schlienz, mit der Einführung der Linie 219 klappte. Die Linienführung ist jedoch verbesserungswürdig. Wir hätten gerne gehabt, dass der 219er an die S-Bahn Stetten-Beinstein bzw. an die Haltestelle „Diakonie“ angebunden wird.
(Forts. folgt)

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10 Jahre Kernen21 (5)

Vor 10 Jahren wurde unser „Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“, kurz Kernen21, gegründet. Heute der 5. Teil unseres Rückblicks.
Schon kurz nach unserer Gründung wurden wir auf ein weiteres Problem der mangelnden Barrierefreiheit aufmerksam. Und zwar die Situation bei Ein- und Ausstieg an den S-Bahn Stationen Rommelshausen und Stetten-Beinstein. Durch den vorhandenen Spalt (bis zu 30 cm) und die ebenfalls bis zu 30 cm Einstiegshöhe, insbesondere in Richtung Schorndorf (siehe Foto), war es dort zu zahlreichen, zum Teil auch schwereren Personenunfällen gekommen.
Wir sammelten die Berichte der Verunfallten und machten sie öffentlich. Immer wieder berichteten die Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen
Nach vielen Jahren, in denen sich auch die Gemeindeverwaltung und unser MdL Jochen Haußmann bei der Deutschen Bahn (DB) für eine Änderung dieses Zustandes einsetzten, scheint Licht am Ende des Tunnels: inzwischen gibt es eine Zusage der DB, dass 2022 zumindest der Bahnsteig Richtung Schorndorf um 20 cm erhöht werden soll und somit die Gefahrenlage bei Ein- und Ausstieg verringert wird. Eine völlige Barrierefreiheit wird dadurch allerdings nicht erreicht.
Nach früheren Zusagen der DB sollte die Erhöhung jetzt eigentlich schon fertig sein. Aber nun wollen wir mal glauben, dass es für 2022 tatsächlich klappt. Mensch soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. (Forts. folgt)

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10 Jahre Kernen21 (4)

Vor 10 Jahren wurde unser „Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“, kurz Kernen21, gegründet. Heute der 4. Teil unseres Rückblicks.

Ausgangspunkt unseres Engagements im Jahre 2011 war sicherlich die Auseinandersetzung um Stuttgart 21. Aber von Anfang an beschäftigten wir uns auch mit anderen Themen, die sowohl den Öffentlichen Personennahverkehr als auch andere Verkehrsthemen betrafen. Wobei wir unter „Verkehr“ auch die FußgängerInnen und RadfahrerInnen verstehen.

So war es nur konsequent, dass wir uns intensiv dem Problem der Barrierefreiheit widmeten. Dabei ging es um die Beseitigung von erhöhten Randsteinen und sonstigen Hindernissen, mit denen Menschen im Rollstuhl sowie mit Rollator oder auch mit Kinderwagen zu kämpfen haben. Nach jahrelanger Arbeit konnten wir erreichen, dass bei Neubauten von Straßen und öffentlichen Einrichtungen nach und nach Überwege und Eingänge auf Null abgesenkt werden. Auch bei einzelnen Geschäften. Ebenfalls erfreulich, dass es seit 3 Jahren bei der Gemeinde zu diesem Thema einen „Arbeitskreis Barrierefreiheit“ gibt. Wir hoffen, dass er bald wieder tagen kann.

Zur Barrierefreiheit gehört natürlich auch der Busverkehr. Hier konnte in den letzten Jahren erreicht werden, dass immer mehr Bushaltestellen einen Hochbord erhalten, der – zusammen mit den Einstieghilfen, die die Schlienz-Busse am Mitteleinstieg ausfahren können – einen barrierefreien Zustieg in den Bus ermöglichen.

Ein kleines Licht am Ende des Tunnels gibt es für die Barrierefreiheit bei den S-Bahn Stationen Rom und Stetten-Beinstein. Nach intensiven Bemühungen über fast ein Jahrzehnt, Aktionen, Presse- und Fernsehberichten wegen der zahlreichen – auch schweren Unfällen – von Passagieren wegen des schwierigen Ein- und Ausstiegs bei der S-Bahn. (Fortsetzung folgt)

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10 Jahre Kernen21 (3)

Vor 10 Jahren wurde unser „Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“, kurz Kernen21, gegründet. Heute der 3. Teil unseres Rückblicks.

Die (verlorene) Volksabstimmung vom 27.11.2011 sowie (im Vorfeld dazu) das brutale Vorgehen der Polizei im Schlossgarten am 30.9.2010 führten dazu, dass viele Aktive dem Widerstand gegen Stuttgart 21 den Rücken kehrten oder nicht mehr an einen Erfolg der Bewegung glaubten. Da nützte es auch nichts, dass wir immer wieder betonten, dass die Volksabstimmung unter Vortäuschung falscher Tatsachen zustande gekommen war. Z.B. die damalige Behauptung, der Bau des Tiefbahnhofs würde maximal 4,5 Mrd. € kosten. Inzwischen sind wir beim doppelten Betrag angelangt und die verkehrspolitische Fragwürdigkeit dieses Projektes wird immer deutlicher.

Ein harter Kern von 20 Personen blieb weiterhin aktiv und setzte die Aufklärungsarbeit (bis heute) fort. Immer mit viel Spaß bei der Sache. Siehe das Foto von unserem „Zügle“, mit dem wir uns am Fotowettbewerb der Kerner Volksbank (leider nur 3. Platz) und am Festzug zum Jubiläum des Stettener Musikvereins beteiligten.

Wir wurden auch nicht müde zu betonen, dass unsere Gemeinde über die Umlage, die sie an den Rems-Murr-Kreis zahlt, mit 600.000 € an der Finanzierung von S21 beteiligt ist. Und wenn die DB ihre Klage geben ihre Projektpartner wg. der Mehrkosten gewinnt, kann es noch viel mehr werden. (Forts. folgt).

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10 Jahre Kernen21

Am 16. Februar 2011 wurde von 12 Interessierten unser Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“, kurz Kernen21, gegründet. Zur 1. Vorsitzenden wurde Christine Brencher gewählt.

Im Vorfeld der Landtagswahl am 27. März 2011 nahmen wir an vielen Großdemos teil, traten in SWR-Sendungen auf und organisierten viele Infostände, Unterschriftensammlungen und eine Podiumsdiskussion „Großprojekte und Bürgerbeteiligung“ zur Wahl, die mit der Abwahl von Ministerpräsident Mappus, verantwortlich für den „Schwarzen Donnerstag“ im Schlosspark, den Machtwechsel in Baden-Württemberg brachte. Unter anderem die Stimmen der (damals noch sehr zahlreichen) S21-Aktiven machten die Grünen zur stärksten Partei, der ursprüngliche S21-Gegner Winfried Kretschmann wurde Ministerpräsident.

Rückblickend betrachtet waren die damals damit verbundenen Hoffnung auf einen Stopp des Projekts (was die Grünen vor der Wahl noch versprochen hatten) allerdings vergeblich.

Unterschiedlich wurde die Teilnahme an der am 27. November 2011 stattfindende Volksabstimmung innerhalb unserer Gruppe diskutiert. Die darin gesetzten Hoffnungen erfüllten sich nicht, obwohl wir massiv dafür mobilisierten.

Bei unserem Engagement kam aber auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Monatlich trafen wir uns zu Sitzungen im TV-Heim und organisierten viele Ausflüge und Feste. Siehe Foto. (Forts. folgt)

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10 Jahre Kernen21

Am 16. Februar 2011 wurde unser „Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“, kurz Kernen21, gegründet. In den kommenden Wochen blicken wir auf das vergangene Jahrzehnt zurück.
Es waren 12 Interessierte, die zu dieser Gründungsversammlung im TV-Heim Stetten zusammenkamen. Sie hatten sich davor beim wöchentlichen „Schwabenstreich“ kennengelernt. Dort trafen sich immer örtliche Aktive aus dem Widerstand gegen den geplanten Kellerbahnhof Stuttgart 21 auf dem Parkplatz vor der Alten Schule in Stetten (siehe Foto), um ihrem Protest gegen dieses Projekt Ausdruck zu verleihen.

Der Hauptgrund für die Gründung war der für alle BenutzerInnen des Nahverkehrs täglich erfahrbare Widerspruch, dass einerseits für ein verkehrspolitisch völlig unsinniges Projekt Milliarden Euro ausgegeben werden, während andererseits die Bahn es nicht schafft, einen S-Bahnverkehr ohne ständige Verspätungen zu organisieren und die gefährlichen Bahnsteige an den S-Bahn-Haltestellen Rom und Stetten-Beinstein zu entschärfen.

Die GründerInnen waren sich einig, sich nicht nur mit dem ÖPNV, sondern auch mit anderen Verkehrsthemen zu beschäftigen, dem Fuß- und Radverkehr und der Barrierefreiheit. (Forts. folgt)

Motorradlärm

Eine ausführliche Zusammenstellung unserer bisherigen Aktivitäten und Veröffentlichungen zum Motorradlärm in der Eßlinger Straße finden Sie auf unserer Webseite www.kernen21.de

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Motorradlärmdisplay: offensichtlich unwirksam

Schon oft berichteten wir über die Klagen, die uns wegen des Motorradlärms in der Eßlingerstraße erreichten. Wir fassten die wichtigsten Aussagen in einem Brief an GR und Verwaltung zusammen. In der Sitzung des VA am 10.12. stand „Motorradlärmdisplay – Auswertung und Ergebnisse“ auf der TO. [Display = elektronische Anzeigetafel]:
100 m nach dem Baumtor befindet sich in einem Begrenzungspfosten ein Messgerät, das Lärmentwicklung in Dezibel (dB) und Geschwindigkeit misst und auf die 70 m weiter stehende Anzeigetafel überträgt. Liegt der Lärmwert unter 85 dB, erscheint ein „Smiley“ [von engl. „smile“ = Lächeln], um den FahrerInnen anzuzeigen, dass sie „anständig“ waren. Sonst erscheint ein Gesicht mit heruntergezogenen Mundwinkeln, was „böse, böse“ bedeutet.
Ergebnis: die Lärmwerte gingen zurück! Im Schnitt um 3 dB.

Für alle AnwohnerInnen von Eßlingerstraße und Umgebung – und auch für alle Menschen woanders im Ort, die aber Luftlinie auf gleicher Höhe wie die Eßlingerstraße wohnen – handelt es sich dabei um ein Wunder. Denn diesen Sommer war es extrem. Es begann Ende April und ging dann bis Ende November. An schönen Wochenenden im 5-Minuten-Takt. Nicht nur Motorräder, auch aufgemotzte Autos. (Weitere Lärmverursacher sind Moto-Cross-Maschinen und Lastwagen). Und dorfeinwärts wird gar nicht gemessen.

Die Tatsache, dass die Lärm-FahrerInnen die Anzeige sehen, mag zu einer Verringerung der gemessenen Werte bei der Meßstelle geführt haben. Aber dann wird halt erst nach der Anzeige voll aufgedreht, bis hoch zur Einfahrt zum Schützenhaus.
In der Sitzung wurde die Anschaffung von 2 weiteren lächelnden Anzeigetafeln beschlossen. Rausgeworfenes Geld. Evtl. hülfen Betonschwellen und 30er-Zone bis Einfahrt Friedhof. Und mehr Kontrollen.

Wir wünschen allen Geplagten ein ruhiges Weihnachten.

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Verschiedenes – S21 / Barierrefreiheit ROM

S21 Umfragewerte im Keller

Die Umfragewerte für die geplante Kellerhaltestelle Stuttgart 21 sind richtig im Keller. Das schreibt die Stuttgarter Zeitung am 3.12 über eine aktuelle Umfrage des Allensbach-Instituts. Auf die Frage, ob rückblickend die Entscheidung für S 21 richtig oder falsch war, antworten 27% mit „richtig“, 40% mit „falsch“. Sind es die ständig steigenden Baukosten, die verschobenen Fertigstellungstermine, die ständigen Behinderungen durch die Baustellen in der Stadt oder gar unsere ständige Aufklärungsarbeit und das Aufzeigen von Alternativen, die zu diesem katastrophalen Ergebnis führten? Entscheiden Sie selbst.

Barrierefreier Bahnhof Rom

Bei einem Lokaltermin letzte Woche am Bahnhof gaben unsere MdLs Paal und Haußmann sowie BM Paulowitsch bekannt, dass der erhöhte Bahnsteig am Bahnhof in Rom nun käme. 2023. Aber nur in Fahrtrichtung Schorndorf. Die vor 3 Jahren gegebene ursprüngliche Zusage der Bahn war für die Fertigstellung in 2021 – für beide Bahnsteige!
Rom wird nun als zweiter Bahnhof von insgesamt 34 im VVS-Gebiet, wo noch nicht barrierefrei sind, ausgebaut. Das ist auch auf die jahrelangen Aktivitäten und öffentlichkeitswirksamen Bemühungen von K21 Kernen zurückzuführen. Vor 5 Jahren berichtete deshalb der SWR schon über das Problem, siehe www.youtube.com, Stichwort „Gefahr an der Bahnsteigkante“.
Nicht zu vergessen der Bahngipfel, den das Ehepaar Würz aus Rom 2019 mit dem BaWü-Bahnchef Krenz vor Ort organisierte. Deren Sohn war am Bahnsteig verunglückt – wie viele andere Fahrgäste auch.
Und wann wird der andere Bahnsteig erhöht?

542. Montagsdemo
K21 Pressesprecher Ebbe Kögel sprach auf der Montagsdemo am 14.12. auf dem Stuttgarter Markplatz. Sein Thema: „Die Mühen der Ebenen lokaler Verkehrspolitik“. Moderation Jürgen Horan. Nachzusehen auf youtube.com, Stichwort „542. Montagsdemo“ eingeben.

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Motorradlärm Esslinger Straße

Die meisten StettenerInnen werden das Problem kennen: sobald die ersten warmen Frühlingswochenenden kommen, steigt der Lärmpegel im Dorf erheblich an – verursacht durch Hunderte von Motorrädern und aufgemotzten Autos, die die Eßlinger Straße als Rennstrecke benutzen. Das geht dann bis in den November hinein.

Die Gemeinde reagierte durch die Aufstellung einer Lärmanzeige 200 m nach dem Ortsende. Und durch den Beitritt zur „Initiative Motorradlärm“ der Landesregierung, zusammen mit Dutzenden lärmgeschädigter Kommunen in BaWü.
Im Mai beschrieben wir im MB die Problemlage für die unmittelbaren NachbarInnen. Und erhielten daraufhin 3 Dutzend überwiegend zustimmende Zuschriften. Die interessantesten Zitate daraus: „Ich danke Ihnen sehr, dass Sie gegen die ungeheure Lärmbelästigung etwas unternommen haben – Einerseits geben wir in Deutschland Milliarden für Lärmschutz an Straßen aus, andererseits ist es legal, Autos und Motorräder künstlich laut zu machen – Wir wohnen in der Bühläckerstraße, am Ortsausgang nach Endersbach ist es deutlich schlimmer wie Richtung Esslingen – Wenn eine Initiative gegründet würde, wir wären dabei – Mit Vorliebe fahren sie dröhnend aus der Ortschaft raus und wieder zurück. Dabei werden sie gefilmt, fahren freihändig usw., viele aus den Kreisen ES und Stuttgart – Die smilenden [lächelnden] Displays [Anzeigen] sind eine Lachnummer für die Krachmacherfraktion – Im Kleinen Feldle sind wir auch von dem bis tief in die Nacht andauernden Lärm betroffen“.

Auch 3 negative Zuschriften gabs: „Ich beurteile Ihre jämmerlichen Aufrufe im Mitteilungsblatt als armseliges Geschmiere um Aufmerksamkeit zu erregen“.

Am Do, 10.12., 19 Uhr, Bürgerhaus, tagt der Verwaltungsausschuss des GR, TOP 4 „Auswertung Motorradlärmdisplay“. Wir schicken den GemeinderätInnen unsere Zusammenstellung.

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……..und kein Ende

Anfang 2021 wird K21 Kernen sein 10-jähriges Jubiläum feiern. Nach wie vor sind unsere Aktiven jede Woche auf der Montagsdemo (TeilnehmerInnen oder Moderatoren), beteiligen sich an der Mahnwache oder schreiben die wöchentliche Rubrik im MB. Nicht nur zu S21, sondern zu vielen anderen Verkehrsthemen, wie Bus- und S-Bahn-Verkehr, Barrierefreiheit und die Zukunft unserer Mobilität.
In diesem Jahrzehnt hat sich der S21 Fertigstellungstermin ständig nach hinten verschoben, die Kosten sind auf das 4-fache gestiegen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört

Letzte Woche schrieb die WirtschaftsWoche, dass ex-EU-Kommissar Oettinger (einst als Ministerpräsident entschiedener Befürworter von S21) in den Aufsichtsrat der Tunnelbohrfirma Herrenknecht wechselt. Herrenknecht hat mit den zu bohrenden S21-Tunneln (insg. 60 km) viele Millionen verdient. Einen kleinen Teil davon spendet er regelmäßig an Herrn Oettingers Tunnelbohrpartei.

Traum-Renten für Ex-Bahnvorstände

Durch eine Anfrage der Linken im Bundestag wurde bekannt, dass die Ex-Vorstände der Deutschen Bahn (DB) im Schnitt pro Monat eine Rente von 20.000 € beziehen. (Insg. 10 Mio € pro Jahr, verteilt auf 42 Bezieher). Das sind die Vorstände, die für die Kostenexplosion bei S21 verantwortlich sind, die die Schulden der DB auf eine neue Rekordhöhe von 28 Mrd. € getrieben haben und die in der ganzen Welt Logistikfirmen zusammenkauften, die jetzt mit Verlust verscherbelt werden müssen. Denken Sie, dass die Herren ein schlechtes Gewissen haben, auch angesichts der Tatsache, dass ihre aktuellen Nachfolger von der Belegschaft ein Corona „Solidaropfer“ verlangen?

Keine Sitzungen

Normalerweise treffen wir uns ja monatlich zu einer öffentlichen K21-Sitzung. Leider ist dies gegenwärtig nicht möglich. Wir hoffen, dass es im Dezember wieder weitergeht.

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Schwäbische Lakoon

Der Schwäbische LaokoonVergangene Woche wurde in Stuttgart, direkt vor dem neuen Stadtpalais (der früheren Stadtbibliothek) an der Konrad-Adenauer-Straße das neue zehn Meter hohe Denkmal des Konstanzer Bildhauers Peter Lenk zu Stuttgart 21 aufgestellt.Es heißt der „Schwäbische Laokoon“.Laokoon? Ist Ihnen wahrscheinlich nicht bekannt. Wir kannten ihn seither auch nicht. Laokoon ist eine Figur aus der griechischen Sagenwelt. Im Krieg zwischen den Griechen und der Stadt Troja warnte er die TrojanerInnen vergeblich vor dem falschen Geschenk des hölzernen Pferdes, mit dessen Hilfe die Griechen schließlich die Stadt erobern und zerstören konnten. Laokoon wurde danach wegen seines Verrats von einer von der Göttin Athene ausgesandten giftigen Schlange getötet.Der Laokoon auf dem Denkmal ist Minischderpräsident (MP) Wilfried Kretschmann, der mit einer ICE-Schlange ringt. (Siehe Foto). Es ist nicht ganz klar, ob Lenk ihn auch als „Verräter“ wie Laokoon darstellen will (der MP war ja mal entschiedener S21-Gegner) oder ob er mit dem Projekt (in Form der ICE-Schlange) ringt.Das Werk des weithin bekannten Künstlers (www.peter-lenk.de) wurde mit 130.000 € Spenden finanziert. Darunter auch namhafte Beträge von K21 Kernen sowie von Einzelpersonen aus unserer Gemeinde. Sie finden deren Namen auf der Tafel neben dem Denkmal, das über 150 bekannte Gesichter von UnterstützerInnen und GegnerInnen des Projekts plastisch darstellt. Ein Besuch lohnt sich.Erst Vergils Darstellung des Mythos in seinem EposAeneis aus dem 1.Jahrhundert v.Chr. istin einer längeren Fassung überliefert. Darin wird die Geschichte Laokoons verlagert und mit dem Trojanischen Pferd verknüpft: Während die Griechen vorgaben, Troja zu verlassen und der Stadt zur Ehrung der Götter ein hölzernes Pferd zu schenken, das in Wirklichkeit jedoch mit griechischen Kämpfern gefüllt war, erkannte Laokoon als einziger den Betrug. Er stieß auf das Pferd mit einem Speer ein; dieser prallte jedoch ab. Daraufhin erschienen zwei von Athene geschickte Schlangen, die Laokoon zusammen mit beiden Söhnen töteten. Die Trojaner meinten darin eine Strafe der Götter für die Entweihung des Geschenkes zu sehen, zogen das hölzerne Pferd in die Stadt und besiegelten damit ihren Untergang.Ein gewichtiger Beitrag zur Landesgeschichte sei’s, das Denkmal von Bildhauer Peter Lenk, schrieb der „Südkurier“ kürzlich. Und tatsächlich bringt die ganze üble Geschichte um Stuttgart 21 eine Menge Kilos auf die Waage und vor allem eine beträchtliche Größe mit: Fastzehn Meter hoch wird der „Schwäbische Laokoon“ in den Himmel ragen, der statt mit Schlangen mit einem sich windenden ICE ringt. Auf seinem Sockel wird demonstriert, eine Tunneltaufe gestürmt und im S-21-Freibad baden die Leut‘. Über dem Kopf des Laokoon schweben die für das Jahrhundertloch mitten in Stuttgart verantwortlichen Manager und Politiker in luftigen Höhen, im „Wolkenkuckucksheim“, wie Lenk es nennt.bildet Szenen rund um das Projekt Stuttgart21 ab, vor allem über den Protest. Peter Lenk erklärte während des Aufbaus: „Der mythologische Laokoon konnte Troja nicht mehr warnen vor dem Trojanischen Pferd. Der schwäbische Laokoon will nicht mehr vor Stuttgart 21 warnen, weil er sich an das Volksbegehren gebunden fühlt.“

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Schwarzer Donnerstag

Vor 10 Jahren: Der Schwarze Donnerstag (3)Heute, Mittwoch, 30. September, jährt sich ein erschreckendes Ereignis in der Auseinandersetzung um Stuttgart 21 zum 10. Mal: Der brutale Polizeieinsatz im Schlossparkgegen die GegnerInnen des Projekts, die am 30.9.2010 demonstrierten.Darunter waren auch zahlreiche Aktive aus Stetten und Rom, die sich damals gegen diese verkehrspolitisch unsinnige Immobilienprojekt engagierten. Viele wurden von den eingesetzten Wasserwerfern „getauft“ oder auch durch polizeilichen Reizgaseinsatz verletzt. Einige waren am Montag dieser Woche bei einem WKZ-Gespräch. (Siehe WKZ vom Di oder Mi).Die Empörung über das polizeiliche Vorgehen war enorm. Ebenso die Empörung über die Lügen der Verantwortlichen, von der Polizeiführung über die Staatsanwaltschaft bis hin zu Innenminister Rech und Ministerpräsident Mappus (CDU). Rech sprach davon, dass DemonstrantInnen Pflastersteine geworfen hätten – es waren tatsächlich einige wenige Kastanien.Zur Erinnerung gibt es heute, Mi, 30.9. eine große Demonstration unter dem Motto „Ihre Lügen – Unser Zorn“. (Siehe abgebildetes Plakat).17 Uhr: Schweigemarsch vom Schillerplatz zum Hauptbahnhof. Dort 18 Uhr Kundgebung.Es sprechen: Joe Bauer + Dieter Reicherter. Kulturbeiträge: Stefan Hiss + Jess Jochimsen.Und ab 20:15 Uhr die große S21-Dokumentation im SWR-Fernsehen, u.a. mit dem ehem. Polizeipräsidenten Stumpf, der als „Bauernopfer“ für den Einsatz gehen musste

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Zukunft ÖPNV

In der gegenwärtigen Corona-Krise gibt es Gewinner und Verlierer. Zu den Gewinnern gehören zum Beispiel Baumärkte und Firmen, die Garten- und Reinigungsgeräte herstellen. Und die Fahrradindustrie.Zu den Verlierern zählt der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), also Busse und Bahnen.Nach jahrelang steigenden Fahrgastzahlen kam durch Corona der große Einbruch, die Zahlen gingen fast auf Null hinunter. Nun sehen wir zwar, dass die Zahl der Bus- und BahnfahrerInnen wieder zunimmt, aber es wird noch Monate wenn nicht Jahre dauern, bis die Vor-Corona-Zahlen erneut erreicht werden. In den Hauptverkehrszeiten sind Bus und Bahn wieder voll, aber in den Nebenverkehrszeiten können wir des öfteren Busse beachten, die komplett leer durch die Gegend fahren. Es ist zu erwarten, dass einige, vor allem kleinere Busunternehmen, die Krise nicht überleben werden. In unserer Region gab es schon zwei Insolvenzen. Die waren allerdings nicht durch Corona verursacht, sondern durch den ruinösen Wettbewerb, den sich viele, vor allem mittelständische Firmen lieferten, um die vor 2 Jahren erfolgten Ausschreibungen für die hiesigen Linienbündel zu gewinnen. Die seither privatwirtschaftlich, also ohne staatliche Zuschüsse betrieben werden.Zwar gab es diesen Sommer einen staatlichen Corona Rettungsschirm für die Busunternehmen. Aber die Frage ist, wie lange dieser die privaten Busfirmen über die Rundenbringt? Bedauerlich ist der Rückgang der Fahrgastzahlen vor allem für unseren Expressbus X20 von Waiblingen nach Esslingen. Im nächsten Jahr endet die Probephase für die vor 5 Jahren eingeführten drei Expressbuslinien. Dann schlägt die Stunde der Wahrheit: wird die Linie X20 fortgeführt oder nicht? Deshalb unser Appell: Fahren Sie wieder Bus und Bahn. Auch wenn das ständige Masken-Tragen im Bus nun wirklich keinen Spaß macht.

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Berufsdemonstrant

Eine amüsante Geschichte möchten wir zu unserer Berichterstattung über den Jahrestag des „Schwarzen Donnerstag“ am 30.9.2010 nachtragen.Im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen S21 sprach der damalige Ministerpräsident Mappus in einem „Focus“-Interview am 25.9.2010 davon, dass die Aktionen von „Berufsdemonstranten“ organisiert würden.Einer dieser Berufsdemonstranten schaffte es, staatlich anerkannt zu werden. Er heißt Christoph Mezger, Dipl. Ingenieur bei Zeiss in Oberkochen. Immer montags fuhr er mit demZug von Aalen nach Stuttgart zur Montagsdemo. Denn ihm lag eine umweltfreundliche Mobilität am Herzen. Deshalb regte er sich über Mappus Verleumdungen auf und hatte für dieEinkommenssteuererklärung 2010 eine tolle Idee: In der Anlage N (siehe Foto) gab er als zweite ausgeübte Tätigkeit „Berufsdemonstrant“ und als zweite Arbeitsstätte „Stuttgart Hbfund Umgebung“ an. Seine Beweggründe und die Demonstrationen, an denen er teilnahm, listete er in einem Brief an das Finanzamt fein säuberlich auf. Die Entfernung von 80 km zwischen Wohn- und Demo-Ort machte er als Werbungskosten geltend. Damit überschritt er die Pauschalgrenze von 920 €.Sein Finanzamt hat diese Werbungskosten als gerechtfertigt anerkannt. Seitdem führt Christoph Mezger den Titel „staatlich geprüfter Berufsdemonstrant“.Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie unter www.kontextwochenzeitung.de

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S-Klasse Wohlfühlambiente?

Die neue S-KlasseWohlfühlambiente mit Lounge-CharakterGenießen Sie die folgenden Zitate:„Die klassische Limousine ist mit perfekten Proportionen gestaltet. Die breite Spur und die außenbündigen Räder mit modernen Designs lassen das Fahrzeug muskulös wirken. Die Front beeindruckt mit ihrem statusprägenden Kühlergrill,im Innenraum erreicht der moderne Luxus das höchste Niveau. Die Designer haben ein von Eleganz, Hochwertigkeit und Leichtigkeit geprägtes Wohlfühlambiente mit Lounge-Charakter geschaffen. Mit ihrer neuen Architektur, der modernen Flächengestaltung und der ergonomischen Displayanordnung ist die Instrumententafel ein Highlight.Entdecken Sie ein intuitives Fahrererlebnis auf höchstem Niveau. Das große Head-up-Display in der Windschutzscheibe bringt neueste Anzeigentechnologie direkt in ihr Blickfeld. Ergänzt wird die Augmented Reality Darstellung durch die innovative Instrumententafel mit 3D-Bildschirm. Wählen Sie zwischen Sprachsteuerung oder zentralem OLED Touch-Bildschirm, während das intelligente Infotainment-System MBUX Sie mit der Zeit kennenlernt und in ihrem Sinne mitdenken kann.“Dies sind wörtliche Zitate aus einem Prospekt für die neue S-Klasse von Mercedes-Benz. Haben Sie das Werbetexter-Chinesisch verstanden? Wissen Sie, was eine Augmented Reality Darstellung ist?Und noch viel wichtiger: Brauchen Sie ein derartiges „muskulöses“ Fahrzeug mit 500 PS? Diebilligste S-Klasse kostet 93.000 € (nach oben offen). Werden Sie jemals so viel Geld verdienen, dass Sie sich so ein Auto leisten können? Spitzengeschwindigkeit: 250 km/h. In ganz Europa gelten Geschwindigkeitsbeschränkungen von 120/130 km/h. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch in Deutschland kommt. Wo parken Sie dieses Auto? Im Stau steht es genauso wie ein Seat Leon für 21.000 €.Ist dieser Dinosaurier (Flottenverbrauch 14 l/100 km) unsere Mobilitäts-Zukunft?von Stefan Miete 16.09.2020 Mercedes S-Klasse (2020)

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Die Pirouetten des Professors Gerhard Heimerl zu S21

Ein Beitrag von Oliver Stenzel 15.07.2020 aus KONTEXT Wochenzeitung

So langsam wird es unübersichtlich. Quasi aus dem Nichts wird die Idee eines völlig neuen Gäubahntunnels im Zusammenhang mit Stuttgart 21 in die Diskussion geworfen (Kontext berichtete). Und der offenbart die zwei Jahrzehnte alte, immer wieder ehern von S-21-Befürwortern verteidigte alte Streckenführung als das, was Projektkritiker schon immer sagten: eine komplette Fehlplanung. Und kurz darauf erklärt Steffen Bilger, aus Ludwigsburg kommender CDU-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, schon mal dessen Planung, Umsetzung und Finanzierung durch den Bund für praktisch gesichert, obwohl es noch nicht einmal einen präzisen Streckenverlaufsplan für das neue Vorhaben gibt. Auch im Bundesverkehrswegeplan ist es noch nicht hinterlegt.

Das verwundert viele, offenbar auch vom SWR, von dem Bilger denn auch gefragt wurde, woher er diese Sicherheit nehme und ob der Tunnel nun komme oder nicht. Bilger eiert betont gutgelaunt herum, um dann einzuräumen: Gut, die Wirtschaftlichkeit des Tunnels müsse noch geprüft werden, die Finanzierung bereit gestellt sein, rechtlich alles geprüft werden, „aber das gilt auch für jeden Radweg“.

Zwei Tunnelröhren von jeweils zwölf Kilometern ist auch nichts anderes als einen Radweg zu planen? Das klingt ja beruhigend. Oder beunruhigend für Freunde neuer Radwege, je nachdem. Wenig gewagte Prognose: Das wird noch heiter werden.

Keineswegs „völlig neue Rahmenbedingungen“

Und als wäre das schon nicht genug, meldet sich der Erfinder der S-21-Idee, der emeritierte Stuttgarter Verkehrswissenschaftler Gerhard Heimerl, in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ gemeinsam mit dem früheren Projektkritiker Klaus Amler zu Wort (online kostenpflichtig). Und wirft noch mehr über den Haufen. Nicht nur, dass er den Gäubahntunnel im Prinzip gut findet, er plädiert auch noch für einen (unterirdischen) Ergänzungskopfbahnhof für Stuttgart 21, wie es Landesverkehrsminister Winfried Hermann im vergangenen Jahr vorgeschlagen hat. (Kontext berichtete)

Im zusammenfassenden Text auf der StZ-Homepage liest sich das so: „Der Ergänzungsbedarf rühre von völlig neuen Rahmenbedingungen her, sagte Heimerl jetzt: Von den Zielen, das Klima zu schützen, die Zahl der Fahrgäste im Bahnverkehr zu verdoppeln und einen Deutschlandtakt einzurichten mit Verbindungen zwischen größeren Städten im 30-Minuten-Takt.“

Eine aparte Feststellung: War denn nicht das Versprechen, die Leistungsfähigkeit des alten Hauptbahnhofs zu verdoppeln, in den 1990ern eines der zentralen Argumente für die Stuttgart-21-Station gewesen? Das hatte sich dann zwar nach und nach verringert – bei Geißlers Faktencheck 2010 war nur noch von 30 Prozent mehr Leistung die Rede, und die bis heute in Aussicht gestellten Kapazitäten der Tiefhaltestelle bewerten nicht nur lokale, sondern auch internationale Experten mehr als skeptisch. Doch das jetzige Plädoyer für eine Ergänzung klingt schon sehr nach: S 21 braucht diesen zusätzlichen Halt, damit das, wofür es ursprünglich versprochen wurde, auch eingehalten werden kann. Die projektkritische Gruppe „Ingenieure 22“ spann dies logisch weiter: „Prof. Heimerl gesteht mit seinem neuerlichen Vorstoß … ein, dass seine Ursprungsidee für einen ergänzenden Durchgangsbahnhof in den Händen von Politik und Deutscher Bahn offenbar völlig verunstaltet wurde und letztlich zu einer Fehlplanung missraten ist.“ Aber diese Einschätzung habe „Jahrzehnte Verspätung“.

Der Kombibahnhof war die Ursprungsidee

Tatsächlich kommen Heimerls neuerliche Einschätzungen, wenn man seine Äußerungen der letzten Jahre verfolgt hat, nicht ganz überraschend. Schon 2016 hatte er, auch da schon in einem StZ-Interview zusammen mit Klaus Amler, für einen Ergänzungs-, also Kombibahnhof bei Stuttgart 21 geworben. Knapp fünf Jahre zuvor hatte er, anlässlich der von Heiner Geißler im Stresstest zu S 21 präsentierten Kombilösung, den reinen Durchgangsbahnhof noch als „deutlich überlegen“ bezeichnet. Und 2014 hatte er die bisher geplante Gäubahnführung über die S-Bahnstrecke auf den Fildern vehement mit scharfen Worten kritisiert – nachdem er keine vier Jahre zuvor ebenso vehement die S-21-Gegner für ihre Kritik an eben dieser Gäubahnführung kritisiert hatte. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Heimerl so oft widersprüchlich zu dem auf seiner Idee beruhenden Projekt geäußert, dass man leicht den Überblick verlieren konnte – oder eben den Eindruck gewinnen, dass es sich hier um einen bei Gelegenheit äußerst wendigen Wissenschaftler handelt.

Woran kein Zweifel besteht: Am Anfang von Heimerls Idee stand ein Kombibahnhof. Mitte der 1980er entwickelte er das Konzept eines Durchgangsbahnhofs, der den bestehenden Kopfbahnhof im 90-Grad-Winkel kreuzen sollte. „Sein Vorschlag galt nur für den Fernverkehr Mannheim – Stuttgart – Ulm – München“, so der Ingenieur und frühere Bundesbahndirektor Sven Andersen in einem lesenswerten Artikel von 2010, „der Kopfbahnhof sollte für alle übrigen Verkehre erhalten bleiben.“

War Heimerl ein Getriebener?

Für diese frühe Phase der Stuttgart-21-Idee hat Kontext-Kolumnist Joe Bauer in einem früheren Text eine sehr hübsche Anekdote parat. Ein befreundeter Bahningenieur habe damals in Stuttgart bei Heimerl studiert und sich erinnert: Des Professors „Idee von S 21 und der NBS nach Ulm war eine bewusst theoretische Planstudie als Anregung für die Studierenden, wie man heute solche Vorhaben angehen müsste … Die Skizze sei nie als konkreter und praktischer Vorschlag für Stuttgart gemeint gewesen, schon wegen des offensichtlichen Missverhältnisses zwischen Aufwand und Nutzen und der nicht vorhandenen Erweiterungsmöglichkeiten einer unterirdischen Gesamtanlage. Nachdem die Politik dann mit einiger Verspätung unversehens den Ansatz aufgriff, habe Heimerl nolens volens gute Miene zu dem Spiel machen müssen. … Dass die Immobilien-, Bau- und Finanzbranche die Idee dermaßen an sich ziehen würden (womit dann das Thema Eisenbahn letztlich zum irgendwie hingebogenen Abfallprodukt deklariert wurde), habe Heimerl nicht ahnen können und müssen. Natürlich hätte seine Uni bei ‚logischen‘ Voraussetzungen ein solches Projekt als nicht sinnvoll bezeichnen müssen. Doch auf der hohen politischen Ebene hätte Heimerl dann schlecht sagen können: Ätsch, wir haben nur ein Späßle gemacht. Und nachdem für positive Studien im Auftrag der DB AG viel ‚Drittmittel‘ winkten und parallel das Land an den Unis sparte, war die Ausgangslage wieder etwas anders.“

Eine von heute aus gesehen nicht unschlüssig klingende Deutung, die Heimerl letztlich fast wie einen Getriebenen erscheinen lässt. Zu Recht? Daran lassen wiederum die Schilderung Andersens und einige Veröffentlichungen Heimerls Zweifel: 1988 war er mit einer Denkschrift zu seiner Ursprungsidee – also dem Durchgangsbahnhof nur für die Strecke von Mannheim nach München – an die Öffentlichkeit gegangen. In den kommenden Jahren wurden, lange mehr oder weniger ergebnislos, von Bahn und Landesregierung verschiedene Varianten dieser Lösung geprüft. Ende 1992 habe sich abgezeichnet, dass die Bahn zumindest einem Durchgangsbahnhof für den Fernverkehr nicht abgeneigt war, wobei sie den eher am Rande des Rosensteinparks prüfen wolle.

In dieser Situation hätten Heimerl sowie Jürgen Wedler, damals Vizepräsident der Bundesbahndirektion Stuttgart, eine Chance gesehen für die Idee eines tiefergelegten Hauptbahnhofs an Stelle des Kopfbahnhofs, wie Andersen beschreibt: Die beiden „sahen nun eine Möglichkeit darin, mit städtebaulichen Aspekten durch die freiwerdenden Bahnflächen die Politik in Baden-Württemberg ganz auf ihre Seite zu bringen“. Was auch gelang, wie man heute weiß. Dass es die „große Chance für die städtebauliche Entwicklung der topographisch beengten Kernstadt“ war, die letztlich den Ausschlag für Stuttgart 21 in der bis heute verfolgten Form gab, stellte Heimerl selbst 1994 fest. Andersherum gesagt: Wäre das Projekt nicht zum Immobilienprojekt gemacht worden, hätte es wohl keine Chance gehabt.

Haltungs-Rochade

Da ist es wieder eine bemerkenswerte Pirouette, wenn Heimerl nun, im aktuellen StZ-Interview vom 11. Juli 2020, die Stadt Stuttgart dafür kritisiert, dass sie aus Sorge um den Wohnungsbau keine zusätzlichen Gleise für einen Ergänzungsbahnhof möchte: „Das ist zu kurz gedacht“, sagt Heimerl, „die Stadt muss auch Interesse an einer guten Anbindung an den Fern- und Regionalverkehr haben… Sie darf nicht nur an den Wohnungsbau denken.“ Letzteres ein unverhohlener Seitenhieb auf den grünen Baubürgermeister Peter Pätzold, der sich ja, mit regelmäßigem Verweis auf Gemeinderatsbeschlüsse, als wackerer Verteidiger der Wohnbauinteressen auf jedem Quadratzentimeter der irgendwann einmal durch S 21 frei werdenden Flächen geriert.

Eine Haltungs-Rochade könnte man dies auch nennen: Während der S-21-Erfinder auf einmal mehr oder weniger explizit sein Baby als unzulänglich geplant darstellt und die Gründe kritisiert, wegen derer es überhaupt durchgesetzt werden konnte, macht sich der ehemalige Stuttgart-21-Gegner nun für die möglichst pure Umsetzung des von ihm früher kritisierten Projekts stark. Damit letzteres nicht ganz in Vergessenheit gerät, sei an dieser Stelle noch einmal daran erinnert, wie Pätzold noch 2013, einmal einträchtig neben Gangolf Stocker sitzend (Video hier), einmal auf der Demo-Bühne (Video hier), gegen Stuttgart 21 wetterte. Gut, die Zeiten waren andere. Das Projekt stand bis dato ein letztes Mal im Bahn-Aufsichtsrat auf der Kippe, und Pätzold kritisierte, dass sich die Projektbefürworter einer Diskussion verweigerten, „was passiert wenn nichts passiert. Und sie schüren die Angst vor einem Ausstieg. Dazu kann ich nur sagen: keine Angst vor einem Ausstieg. Es kommt kein schwarzes Loch, das schwarze Loch kommt, wenn Stuttgart 21 kommt.“

Wie gesagt, die Zeiten waren andere.

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Bericht zu S21 aus der Zeitschrift LOKreport Juli 2020

Baden-Württemberg: Prof. Heimerls „neue“ Erkenntnis zu Stuttgart 21 hat 25 Jahre Verspätung

Prof. Heimerls neuerlicher Vorstoß für einen unterirdischen Ergänzungsbahnhof zu Stuttgart 21 gesteht ein, dass die Planung von damals niemals zukunftsfähig war. Bereits am Tag der Inbetriebnahme wäre Stuttgart 21 schon unterdimensioniert und verkehrlich veraltet.

Nachbesserungen des unterdimensionierten Bahnhofes sind aber nicht möglich, noch einmal so teure Ergänzungsbauten sollen es offenbar richten. Planung und Ausführung von Eisenbahnbauten dauert sehr lange, in der Regel zwischen 10 und 20 Jahren. Daher ist immer von einem Nutzungshorizont von 100 Jahren auszugehen. Ein Verkehrsbauwerk, dass am Eröffnungstag bereits überlastet und veraltet ist, kann man nur als unglaubliche Fehlplanung bezeichnen.

Der Sinn von Stuttgart 21 demaskiert sich auf eindrückliche Weise: Es ging den Projektbetreibern schon von vornherein nie um eine starke und zukunftsfähige Schiene, sondern immer nur um freiwerdende Flächen für den Immobilienmarkt. Mit seinem Vorstoß gesteht Prof. Heimerl diese Fehlplanung als einer der damals beteiligten Gutachter der Raumplanung und der Planfeststellung nun ein.

Dieser Mut ist ihm persönlich sehr positiv anzurechnen, muss aber darüber hinäus weitreichende Konsequenzen haben:

Anstatt nun den Versuch zu unternehmen, mit immer noch teureren Zusatz- und Ergänzungsprojekten einen systemimmanenten Engpass irgendwie künstlich am Leben zu halten, ist ein radikales Umdenken erforderlicher denn je. Bent Flyvbjerg (unter anderem Mitautor des Buches „Megaprojects and Risk“, das die Vorgehensweise der Projektseite von Stuttgart 21 sehr zutreffend vorweggenommen hat), hat in einem Interview im Rahmen der ZDF-Dokumentation „Fluchhäfen Berlin“ zu den Zuständen an Berliner Flughäfen befragt, kommentierte in deutscher Simultanübersetzung sinngemäß: „Kompetenz rein, Politik raus“. Es wird Zeit, dass dies endlich auch bei Stuttgart 21 geschieht.

Fachleute und Fachverbände gehören jetzt ergebnisoffen an einen gemeinsamen Tisch!

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