500 Jahre Widerstand im Remstal

Liebe KollegInnen,

die „offiziellen“ Feierlichkeiten zum Jubiläum des Armen Konrad stehen unmittelbar bevor. Dann werden beamtete „Freiheitskämpfer“ den Aufstand der Bauern feiern. Aktuelle Bewegungen gegen staatliche Umverteilungspolitik zugunsten der Reichen, gegen obrigkeitliche Verschwendungssucht, gegen staatliche Überwachung und das Spitzelunwesen, gegen rechte Umtriebe, für eine Gesellschaft in Gleichheit, Freiheit und Solidarität (auch mit den Armen dieser Welt) sind nicht eingeladen und werden nicht zu Wort kommen. 

Deshalb feiern wir unser eigenes Jubiläum – natürlich am 1. Mai – und laden Sie als VetreterInnen der 4. Gewalt herzlich dazu ein.

Mit solidarischen Grüßen 

Ebbe Kögel
 

1514 – 2014

Dr arm Conrat

500 Jahre Widerstand im Remstal

Donnerstag, 1. Mai 2014

11 Uhr, Treffpunkt S-Bahnhof Endersbach, Demozug zur Rems (Birkelwehr/Trappeler)

11.45 Uhr, Kundgebung an der Rems mit „Wasserprobe“

Reden von Ebbe Kögel, Hellmut Haasis, Ralf Jandl (Karl Napf)

Musik von Thomas Felder

Moderation: Michael Becker

 

Seit 1498 saß auf dem württembergischen Thron der Herzog Ulrich, einer der übelsten Vertreter der, wie es damals hieß, „rechten, natürlichen Herren“, die die württembergische Geschichte je gesehen hatte: herrschsüchtig, verschwenderisch, arrogant und heimtückisch. Für die Finanzierung seiner zahlreichen Kriegszüge und seiner prahlerischen Verschwendungssucht wurde das Volk, insbesondere die Bauern und Handwerker, bis aufs Blut ausgepresst.

Nach dem Vorbild des badisch-elsässischen Bundschuh organisierten sich deshalb schon Anfang des 16. Jahrhunderts die Remstäler Bauern, bei denen ob ihrer verzweifelten Lage „koan Root“ [kein Rat] verfangen wollte (oder die sich „keinen Rat“ mehr wussten), in einem Geheimbund, den sie „arm Conrat“ nannten, später weithin als Armer Konrad bekannt.

Als Ulrich Anfang 1514 eine Kapitalsteuer sowie Steuererhöhung für Lebensmittel einführte, indem er die Maße und Gewichte verringerte, die auf dem Markt und in den Geschäften verwendet wurden, aber den ursprünglichen Steuersatz darauf einzog, erhoben sich die Remstäler Bauern und Handwerker. Auslöser war ein genialer Schachzug des Peter Geiß aus Beutelsbach, der die neuen Gewichte an der Rems einer „Wasserprobe“ unterzog und damit den „göttlichen Beistand“ für die Erhebung bewies. Doch die Aufständischen forderten nicht nur die Rücknahme der Steuer, sondern auch die Überführung von Wald und Wild in Allmende-Gemeineigentum, Gleichheit zwischen den Ständen, die Abschaffung aller Steuern und Fronlasten, die Enteignung von Fürsten und Klöstern und die allgemeine Freiheit.

Der Aufstand endete mit einer Niederlage, wie auch der nachfolgende Große Deutsche Bauernkrieg von 1525. Mit Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Denn die Rache der Herrschenden war so grausam, dass es für Jahrhunderte im Remstal und in Württemberg keinen Aufstand mehr gab. Bis heute wirkt der Arme Konrad als politisches Lehrstück: über die Arroganz und Hinterhältigkeit der Herrschenden, über gebrochene Verträge, nicht eingehaltene Zusagen und den Verrat der städtischen Ehrbarkeit an den Bauern durch den Tübinger Vertrag. Und die teuflischen Methoden der Aufstandsbekämpfung der Machthabenden, die vor keinem Mittel zurückschreckten, um Angst und Schrecken zu verbreiten (Folter, Todesstrafe, Entzug von Hab und Gut, Zerstörung der Häuser, Vergewaltigung der Frauen, Einrichtung einer Geheimpolizei und des Spitzelunwesens, Brandmarkung der Aufständischen – ihnen wurde das württembergische Hirschgeweih auf die Stirn gebrannt).

Er ist aber auch ein Lehrstück über die Uneinigkeit und den Spaltpilz in den Reihen der Aufständischen, über Angst, Verzagtheit, Mitläufertum, Vertrauen in die Obrigkeit, Verrat und Korruption durch Geldangebote und Pöstchen am Katzentisch der Herrschenden.

Die Demonstrierenden am 1. Mai sind aufgerufen, in historischen Kostümen zu erscheinen. Der Demozug wird begleitet von Musik undDschingderassabumm. Und an der Rems wird die historische Wasserprobe mit aktuellem Bezug nachgestellt.

Mit Reden von Ebbe Kögel (Allmende Stetten), Hellmut Haasis (Schriftsteller, Reutlingen) und Ralf Jandl (besser bekannt unter seinem Schriftstellernamen Karl Napf, Horb)

Eine gemeinsame Aktion von Allmende Stetten, K21 Kernen, Bündnis Rems-Murr-gegen-S21, Parteifreies Bündnis PFB Kernen.

Auskunft und Kontakt

Michael Becker, Dahlienweg 12, 71384 Endersbach, Tel. 07151.65149,michel.becker@gmx.net

Ebbe Kögel, Obergaß 34, 71394 Stetten i.R., Tel. 07151.368806, info@allmende-stetten.de

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