Stuttgart21 – Nachilfe für den Bundesverkehrsminister Scheuer durch Bürger Müller

Sehr geehrter Herr Minister,
der Plan der Bundesregierung, bis 2030 die Zahl der Bahnreisenden zu verdoppeln, findet meine vollste Zustimmung. Ich bin mir nur nicht so ganz sicher, ob sich die deutsche Autoindustrie mit ihren Ikonen Daimler, Audi, BMW und Porsche (die Reihenfolge ist zufällig gewählt) dieses Unterfangen widerstandslos bieten lassen wird.
Bei Porsche und Daimler zeigt sich das bereits jetzt in der Befürwortung des Rückbaus des Stuttgarter Hauptbahnhofs.
Mittlerweile berichten  aber viele Medien über die negativen Folgen von STUTTGART 21 für den Schienenverkehr in Deutschland und vor allem im Südwesten.
Zum Beispiel meldet der SWR unter https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Stuttgart-21-nicht-fuer-Deutschlandtakt-geeignet,s21-nicht-fuer-deutschlandtakt-geeignet-100.html, dass Stuttgart 21 den geplanten 30-Minutentakt für Fernverbindungen nicht halten kann. Die STUTTGARTER ZEITUNG meldet unter https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-bund-weitere-verzoegerung-bei-s-21-moeglich.f91edecc-3dee-4479-990e-faa4bd21cb61.html, dass es bereits beim Bau des Milliardengrabes STUTTGART 21 erhebliche Probleme gibt.
Dabei zählen beide genannten Medien mit Sicherheit nicht zu den Projektkritikern. Besonders die STUTTGARTER ZEITUNG rühmte sich ja mehrfach damit, dass ohne ihre Berichterstattung STUTTGART 21 wahrscheinlich nie gebaut worden wäre.
Vom Bundesverkehrsministerium wird nun vollmundig verkündet, dass mit dem Deutschlandtakt 30 deutsche Großstädte im 30-Minutentakt miteinander verbunden werden sollen.
Bei der eher provinziell anmutenden Politik unserer Regierenden in Stadt und Land könnte man ja bezweifeln, dass Stuttgart eine Großstadt ist aber die Einwohnerzahl spricht eine deutliche Sprache: Stuttgart ist eine deutsche Großstadt!
Demnach müssten also nach den Plänen der Bundesregierung und speziell Ihres Ministeriums auch aus der unterirdischen Stuttgarter Haltestelle heraus die Fernzüge in alle Richtungen halbstündlich verkehren. Dabei sollten aber auch die Regionalbahnen als wichtiger Zubringer für die Fernzüge im gleichen Takt verkehren, damit das Ganze überhaupt Sinn macht.
Schließlich wäre es nicht gerade sinnvoll, wenn die Reisenden aus der Region Stuttgart mit dem eigenen Auto, womöglich sogar einem SUV zur Stuttgarter Haltestelle fahren und da auch noch einen Parkplatz suchen müssten, den es kaum gibt.
Und Zubringerbusse zur Stuttgarter Tiefhaltestelle scheiden auch aus, da die politisch Verantwortlichen im Interesse der Automobilindustrie den ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) bereits vor vielen Jahren vom Stuttgarter Hauptbahnhof auf drei kleinere Anlagen aufgesplittet haben, die weit weg vom Stadtzentrum und damit dem Bahnhof und sogar außerhalb der Stadtgrenzen liegen.
Das gibt es in keiner deutschen Großstadt!
Übrigens gesteht inzwischen die Deutsche Bahn AG selbst ein, dass es „eventuell“ Bedarf für Erweiterungsoptionen gibt, was nichts anderes heißt, als dass STUTTGART 21 zu klein geplant wurde (Siehe http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/de/projekt/stuttgart-filder-s21/erweiterungsoptionen/).
Allerdings beschränken sich diese Optionen auf Baumaßnahmen abseits des Tiefbahnhofs, was bedeutet, dass zusätzliche (notwendige!!!) Züge den Hauptbahnhof umfahren würden und es somit keine günstigen Umsteigemöglichkeiten gäbe.
Der sogenannte Hauptbahnhof, der laut DB eine Haltestelle mit dem Charakter einer S-Bahn-Haltestelle ist, kann auf keinen Fall um zusätzliche Gleise erweitert werden und bleibt somit eine gravierende Fehlplanung!
Wie also soll die Großstadt Stuttgart Nutzen aus den Plänen der Bundesregierung zum Deutschlandtakt ziehen?
Es gibt reichlich Bahnexperten (SMA, Vieregg & Rössler …), die das längst erkannt haben. Leider aber werden diese Erkenntnisse von den Regierenden ignoriert.
Da die Bundeskanzlerin diesen dummen Satz „An STUTTGART 21 entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ von sich gegeben hat, wird nun für unendlich viel Steuergeld dieser Wahnsinn vollendet und das auf Kosten der Steuerzahler.
Politiker sind da fein raus – die zahlen keine Steuern!
Zum Schluss möchte ich noch kurz eine Parallele zum Berliner Großflughafen BER ziehen: Auch der BER war genehmigt und wurde gebaut. Dann bekam er jedoch aus Sicherheitsgründen keine Betriebserlaubnis.
Derzeit ist man bemüht, die Sicherheitsmängel zu beheben und den Flughafen irgendwann doch noch zu eröffnen.
Ähnlich wird es bei STUTTGART 21 kommen.
Aber wie beseitige ich bei fertig gebauten Tunneln die Brandschutzmängel (Fluchtwege)? Wie korrigiere ich die unzulässige Gleisneigung von mehr als 15 Promille?
Ich schreibe Ihnen, weil ich auf diese Fragen (und viele mehr!) keine Antwort habe und nicht einmal Vermutungen, wie das funktionieren soll.
Daher hoffe ich, dass Sie mir sinnvolle Antworten auf all meine Fragen geben können.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Müller
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