Ein Brief an den Planungschef Projekt Stuttgart21 – Ulm

Und wieder hat der Bürger Peter Müller einen Brief an die DB verfasst:

Hier nachfolgend:

Sehr geehrter Herr Leger,
in der Vergangenheit haben Sie ja im Zusammenhang mit dem Bau von Stuttgart 21 einige markige Sprüche von sich gegeben.
So sagten Sie einmal gegenüber der Presse: „Sie werden sich noch wundern, wie schnell wir noch werden.“
Kurz darauf kam die Nachricht, dass Stuttgart 21 frühestens 2025 in Betrieb gehen könnte. Inzwischen munkelt man bei der Bahn ja auch schon darüber, dass es noch später werden könnte.
Ein weiterer Satz von Ihnen lautete: „Hier sind doch keine Idioten am Werk.“
Mich würde einmal interessieren, ob Sie heute noch zu dieser Aussage stehen. Immerhin galt ja Stuttgart 21 als das am besten geplante Projekt aller Zeiten.
Nun aber schreibt selbst die linientreue STUTTGARTER ZEITUNG, dass die Bahn bei Stuttgart 21 eine „Notlösung“ vorbereitet (https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-bereitet-notloesung-fuer-s-21-vor.c3b82c79-87e6-4c92-a65a-316dfaae1335.html).
Baut man also in Untertürkheim eine bestgeplante Notlösung?
Das wäre ja ein Widerspruch in sich!
Lassen Sie mich dieses Problem etwas ausführlicher darstellen:
In der Rechtfertigung der jetzt ausgelegten Planung für 1.6b heißt es, dass ausreichend Abstellkapazität in räumlicher Nähe zum Hauptbahnhof (der laut Regelwerk der Deutschen Bahn AG nur eine Haltestelle ist) zwingend erforderlich sei (Erl.-bericht III, S.12).
Sie aber behaupten gegenüber der Presse, dass Stuttgart 21 auch ohne Abstellbahnhof in Betrieb gehen könne.
Was denn nun? Entweder ist die Rechtfertigung der Planung falsch oder Sie sind – gelinde gesagt – einem Irrtum unterlegen.
„Zwingend erforderlich“ lässt in der Logik keine Alternativen zu.
Ihr „Plan B“ sieht ein Abstellen der Züge nicht nur 5 km vom Tiefbahnhof entfernt vor, was auch schon nicht sehr wirtschaftlich ist, sondern „weit weg“, also vielleicht 20 oder gar 50 km.
Wer aber soll für die Kosten der recht langen Betriebs- oder genauer gesagt Leerfahrten aufkommen?
Und es gibt weitere Probleme beim bestgeplanten Projekt:
Entgegen aller Versprechungen von Prof. Wittke, der zwar nach eigenen Angaben kein Geologe ist, aber die geologischen Gutachten für S21 unterzeichnete, kommt es im Kernerviertel zu starken Bewegungen in der Erde, die zur Folge haben, dass jetzt das Haus Kernerstraße 30 abgerissen werden muss. Ursache dafür sind Prof. Wittkes „sichere Hebungsinjektionen“. Weitere Häuser im Kernerviertel, auf dem Killesberg und dem Kriegsberg zeigen ebenfalls erste Schäden.
Andere Geologen und Sachverständige, die nicht von der Bahn bezahlt werden, haben dieses Problem bereits vor vielen Jahren erkannt und öffentlich gemacht.
Auch der Wassereintritt im Obertürkheimer Tunnel wurde vor Geologen und älteren Anwohnern des Gebietes mindestens seit 2012 vorhergesagt.
Und die hochbezahlten „Experten“ der DB – sind überrascht!
Aber das bestgeplante Projekt der DB ist ja schon in der Planung sehr „ungewöhnlich“.
Ein früherer amtierender Bahnchef, den Sie auch noch kennen sollten, hat einmal gesagt, dass er dafür sorgen will, dass Projekte erst dann begonnen werden, wenn sie komplett geplant und genehmigt sind.
Das macht ja auch Sinn, weil es einen zügigen Bauablauf sichert.
Aber offenbar gilt das nicht für Stuttgart 21, denn hier beginnt man erst mehr als 9 Jahre nach Baubeginn mit der Planung des – aus Expertensicht wichtigen – Abstellbahnhofs. Zwar gab es vorher schon 3 Versuche, den Abstellbahnhof aufs Papier zu bringen aber die wurden von der Bahn selbst zurückgezogen.
Und für die Flughafenanbindung gibt es offenbar überhaupt noch keine genehmigungsfähige Planung.
Anbetracht all dieser katastrophalen Umstände kann man sicher nicht mehr von einer guten Planung ausgehen aber in einem Punkt muss ich Ihnen leider Recht geben:
„Hier sind keine Idioten am Werk.“
Die Verantwortlichen für den Infrastrukturrückbau Stuttgart 21, zu denen auch Sie gehören, sind keine Idioten.
Sie wissen sehr wohl, wie sehr das Projekt dem zukünftigen Schienenverkehr schadet, wie es die Leistungsfähigkeit des ehemals pünktlichsten Bahnhofs Deutschlands minimiert, dass mit 8 Gleisen kein Deutschlandtakt möglich ist, wie brandgefährlich die Tunnel sind und welche Gefahren die in der EU einmalige und eigentlich unzulässige Gleisneigung von über 1,5 % in sich birgt.
Und das ist verwerflich! Idioten könnte ich noch verzeihen, weil sie es nicht besser wissen, aber die Politiker und Manager, die dieses Projekt gegen alle Vernunft weiter voranzutreiben versuchen, machen das wissentlich und nur mit dem Ziel, möglichst hohen Profit auf Kosten der Steuerzahler zu erzielen.
Ex-Bahnchef Dr. Rüdiger Grube hat das einmal auf sehr drastische Weise zugegeben. „Cash in the Täsch it the Name of the Game“.
Und das war auch der einzige Satz aus seinem Mund, den ich sofort geglaubt habe.
So ehrlich werden Sie sicher nicht sein.
Allerdings ist allgemein bekannt, dass auch Sie von der DB trotz 20 Mrd. € Schulden sehr gut bezahlt werden.
Und Sie sind kein Idiot!
Mit freundlichen Grüßen
Peter Müller
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