S21- Tunnelarbeiten im Neckartal und wem darf man glauben?

…………und wieder 2 interessante Briefe von Herrn Müller an die DB:

Nr. 1

Sehr geehrter Herr Brunnhuber,
am 24.11.2018 besuchte ich gemeinsam mit Mitgliedern der internationalen Journalistenvereinigung FERPRESS eine Führung der DB über die Baustelle des Tiefbahnhofs. Wie auch bei den Tagen der offenen Baustelle im Januar 2019 fragte ich nach dem Fortschritt der Bauarbeiten im Neckartal (Unter- und Obertürkheim). Sowohl Ihr Mitarbeiter Herr Dumler (November) als auch diverse angebliche Ingenieure (Januar) behaupteten, dass in dem angefragten Bereich alles gut laufe, dass die Bahn zeitlich  und kostenmäßig gut im Plan liege und dass es keine technischen Probleme gäbe.
Nun erfuhr ich gestern (24.01.2019) aus der Stuttgarter Zeitung (https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-kaempft-im-neckartal-weiter-mit-dem-wasser.f87cd73e-567c-403c-aaf5-45279879b344.html), dass es doch nicht so gut läuft. Genauer gesagt, herrscht Stillstand, weil die Bahn neue Genehmigungen braucht.
Dabei war vorhersehbar, dass es im Bereich des Neckars zu Problemen kommen würde. Bereits 2014 fand eine Demonstration der S21-Gegner im Bereich Wangen bis Obertürkheim statt, bei der Anwohner, Ingenieure und Geologen die jetzt aufgetretenen Probleme vorhersagten. Man zeigte uns das ehemalige Flussbett des Neckars vor seiner Begradigung und erklärte uns auch die geologischen Verhältnisse in diesem Bereich.
Aber die Bahn behauptete wie immer, dass die Gegner des Projekts keine Ahnung hätten.
Was mich allerdings am meisten ärgert, ist die Frechheit, mit der die Vertreter der DB AG den Bürgern ins Gesicht lügen. Dabei war es doch klar, dass sich diese Probleme im Untergrund nicht ewig verheimlichen lassen würden.
Warum also ist man bei der Bahn nicht ehrlich und gesteht auch mal Fehler ein?
Übrigens habe ich mir erlaubt, den Artikel der StZ an FERPRESS in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden weiterzuleiten. Wie die Journalisten das aufnehmen werden, können Sie sich sicher denken.
Da passt es auch ganz gut ins Bild, dass Bernhard Bauer Ihr Nachfolger werden soll. Spätestens seit dem 30.09.2010 weiß man ja, dass es Herr Bauer mit der Wahrheit auch nicht so genau nimmt. Damals verheimlichte Herr Bauer, dass die Baumfällungen im mittleren Schlossgarten verboten worden waren und machte sich somit ebenfalls verantwortlich für den „Schwarzen Donnerstag“ mit hunderten Verletzten.
Hat man denn keinen Nachfolger für Sie finden können, der einen etwas besseren Leumund hat?
Mit Herrn Bauer an der Spitze wird die Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm noch unglaubwürdiger, als sie ohnehin schon ist.
Da kann es einem nur leid tun, um das viele Steuergeld, dass die Stadt Stuttgart für diese verlogene Gesellschaft ausgibt und das an anderer Stelle (Schulen, Gesundheitswesen, Nahverkehr …) dringend gebraucht würde.
Schade, dass man bei der Bahn kein Gewissen hat.
Peter Müller

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Nr. 2

Sehr geehrter Herr Drescher,
am 24.01.2019 erschien in der Stuttgarter Zeitung unter https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-kaempft-im-neckartal-weiter-mit-dem-wasser.f87cd73e-567c-403c-aaf5-45279879b344.html ein Artikel von Christian Milankovic zu den Problemen beim Tunnelbau in den Neckarvororten.
Da heißt es unter anderem wörtlich: „Der Tunnelbau für Stuttgart 21 in Richtung Obertürkheim stockt weiter.“
Demnach wird in den Tunneln seit Sommer 2018 nicht mehr gearbeitet.
Nun habe ich am 24.11.2018 zusammen mit Eisenbahnjournalisten der internationalen Vereinigung FERPRESS an einer Führung der DB über die Baustelle der tiefergelegten Haltestelle teilgenommen.
Auf Anfrage erklärte Herr Dumler (PSU), dass in den Tunneln in Unter- und Obertürkheim nach kurzer Pause im Sommer nun (Herbst 2018) planmäßig weitergearbeitet würde und man auf einem „guten Weg“ sei. Alle Probleme seien behoben und man habe das Grundwasser gut im Griff.
Gleiches wurde mir auch zu den Tagen der offenen Baustelle vom 4. bis 6. Januar 2019 von diversen Ingenieuren und sonstigen Mitarbeitern der DB und der beteiligten Firmen vermittelt.
Und nun erscheint dieser Artikel über Probleme mit dem Wasser und fehlende Genehmigungen in der nicht gerade S21-kritischen Stuttgarter Zeitung.
Handelt es sich also bei dem Beitrag von Herrn Milankovic um „Fake-news“ oder haben mich die Mitarbeiter der DB bzw. der PSU angelogen?
Sie werden mir zustimmen müssen, dass es zu diesem Thema nur eine Wahrheit gibt.
Mich interessiert aber nicht nur, wer mich falsch informiert sondern auch das Warum.
Welchen Grund sollte die Stuttgarter Zeitung haben, Nachrichten über Stuttgart 21 zu verbreiten, die nicht der Wahrheit entsprechen? Das würde sich doch die DB AG und auch die PSU sicher nicht gefallen lasen und zumindest eine Gegendarstellung fordern.
Und andererseits macht es ja auch keinen Sinn, wenn die Verantwortlichen der DB Sachverhalte behaupten, die wenig später von lokalen Zeitungen widerlegt werden.
Um das ganze Problem richtig erfassen und verstehen zu können, werde ich ein gleichlautendes Schreiben an die Stuttgarter Zeitung senden und hoffe damit, Aufschluss darüber zu erhalten, wer nun wirklich vertrauenswürdig ist und die Öffentlichkeit ehrlich über den Stand der Dinge unterrichtet.
Allerdings neige ich schon jetzt dazu, eher der Stuttgarter Zeitung zu glauben.
Zu oft schon wurden Behauptungen der DB später widerrufen, wie zum Beispiel Rüdiger Grubes Kostendeckel von 4,5 Mrd. €.
Auch ich selbst hatte diesbezüglich am 05.01.2019 ein Erlebnis, das die Glaubwürdigkeit der Bahn ad absurdum führt. Projektleiter Michael Pradel hatte im Oktober 2018 der Presse verkündet, dass bis Jahresende zwei Kelchstützen fertiggestellt werden sollten. Ein Mann mit DB-Logo auf Jacke und Helm stellte sich uns als verantwortlicher Ingenieur für den Bau der Kelchstützen vor. Auf meine Frage, wo denn die zweite Kelchstütze stehe, antwortete er wörtlich: „Irgendwo da hinten“. Dabei zeigte er mit der Hand in nördliche Richtung.
Diese Aussage war angesichts der Tatsache, dass es bisher nur eine Kelchstütze gibt, mehr als lächerlich.
Aber generell halte ich nichts von Vorverurteilungen und biete Ihnen daher die Möglichkeit, das Problem zu klären und mir in verständlicher Weise zu erklären, wie es zu diesen widersprüchlichen Aussagen von Bahn und Presse kommen konnte.
Sowohl Ihre Antwort als auch die der Stuttgarter Zeitung werde ich dann in geeigneter Weise veröffentlichen. Dabei sollten Sie ein altes Sprichwort beherzigen:
Keine Antwort ist auch eine Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Müller

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